2017-05 Verkehrssicherheitstag

Mit Brille wie im Rausch
 
Herrenberg: Verkehrssicherheitstag im Markweg.
 
von Thomas Morawitzky, Gäubote Herrenberg, 16.05.2017
 
betreuender Lehrer: Dominik Kirgis
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Schüler testen ihre Reaktionsfähigkeit mit der Rauschbrille    GB-Foto: Bäuerle
 

Verkehrssicherheit ist wichtig. Dabei geht es auch Tag für Tag um ein ruhiges und rücksichtsvolles Miteinander auf dem Schulweg. Im Schulzentrum Markweg lernen Schüler sich umsichtig zu verhalten, sie lernen spielerisch Gefahren und Risiken kennen und staunen nicht schlecht, wenn sie im simulierten Rausch der Trickbrille über den Schulhof stolpern und dabei, sehr nüchtern, feststellen, dass man so eigentlich nicht sicher unterwegs sein kann mit Auto, Moped oder Fahrrad.

Die beiden, die da staunen, heißen André Pietsch und Peter Sandu, sie sind 15 und 16 Jahre alt und besuchen, wie alle Schüler, die am Montagvormittag am Verkehrssicherheitstag der Markwegschulen teilnehmen, eine achte Klasse. Zum 13. Mal schon veranstalten die Schulen in diesem Jahr ihren Sicherheitstag. Angeregt wurden sie dazu vom Kultusministerium des Landes, das die Verkehrs- und Mobilitätserziehung fest im Schulcurriculum verankern möchte. Das Fahrrad soll im Mittelpunkt stehen - und deshalb sind Fahrräder auch überall auf dem weiten Areal zwischen dem Andreae-Gymnasium, der Jerg-Ratgeb-Realschule und der Vogt-Heß-Schule zu sehen.

Im Verbund mit dem Rad fahren

Eine große Fahrradgruppe steht am Eingang zum Schulzentrum - es ist die Klasse 8a der Jerg-Ratgeb-Schule, weit mehr als 20 Schüler, die sich an ihre Fahrgestelle lehnen. Peter Würffell, Mitglied im Vorstand der Herrenberger Ortsgruppe des ADFC, des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, und Veronika Gerlach, Vertreterin des Gesamtelternbeirates, leiten die Gruppe; auch Tim Turek, ein Schüler des AGH, spielt eine wichtige, koordinierende Rolle. Die 8a soll, sehr praktisch, lernen, in einem großen Verbund zu fahren, lernen, wie man sich in einer großen Radfahrergruppe verständigt, auf den Verkehr und aufeinander reagiert. Darum setzt sich diese große Gruppe nun langsam in Bewegung.

Im toten Winkel

Nahebei stehen Busse der Unternehmen Däuble und VBN/BNV - sie beteiligen sich wiederum in Kooperation mit dem Verband baden-württembergischer Busunternehmer am Verkehrssicherheitstag; von ihnen lernen dieSchüler das Verhalten in und am Bus. Jenseits des Bahndammes demonstriert die Herrenberger Fahrschule Halanke anschaulich, was ein „toter Winkel" ist; weit vorne in der Kalkofenstraße erproben Fachkräfte des Ludwigsburger Polizeipräsidiums die unterschiedlichen Anhaltewege, die einer benötigt, wenn er zu Fuß, auf dem Fahrrad, auf Inlinern, mit Auto, Skateboard oder Motorrad unterwegs ist - und Schüler werden bei diesen Tests zu Stuntmen.

Im Hof der Jerg-Ratgeb-Schule kann Andreas Schill, ein Abgesandter des Nufringer Radhofs Schill derweil Erfreuliches feststellen. Schill prüft die Räder der Schüler, stellt fest, dass in den Reifen fast aller Räder zu wenig Luft ist, was auch zur Ursache von Unfällen werden kann - aber er findet tatsächlich keinen Grund, den Zustand der Schülerbremsen zu bemäneln. Er staunt: „Ich habe noch kein Rad mit Bremsproblemen gesehen, heute. Das ist deutlich besser, als in den Jahren zuvor!"

Von der ersten bis zur sechsten Schulstunde dauert der Verkehrssicherheitstag, an dem die Schüler von einer der sechs Lehrstationen zur nächsten gehen und an jeder, betreut von Lehrern, Eltern oder Fachleuten, etwas erfahren, das wichtig ist im täglichen Straßenverkehr. Vier achte Klassen des Andreae-Gymnasiums, rund 110 Schüler, wandern so umher, fünf Klassen der Jerg-Ratgeb-Schule und zwei Klassen der Vogt-Heß-Schule. Auf dem Hartplatz zwischen Jerg-Ratgeb und Vogt-Heß dort, wo auch Andreas Schill schraubt und prüft und der Herrenberger Radhändler Holczer zu einem anderen Parcours einlädt, erleben sie ihre erstaunlichsten Abenteuer; dort setzen sie die Rauschbrillen auf. Andre Pietsch und Peter Sandu haben sie eben abgenommen. Gerade ist einer von ihnen noch über eine blaue Pylone gestolpert, hilflos geradezu. „Das hat Spaß gemacht!", sagt er nun. Aber so einfach, wie er dachte, war es nicht, mit der Promillesimulation auf der Nase gerade zu gehen - und ein Auto zu steuern, das würde er sich in solch einem Zustand niemals zutrauen.

(Artikel erschienen am 16.05.2017 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

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