Schulprojekte

Hier sind Projekte aufgeführt, die nicht einzelnen Klassen oder Fachbereichen zugeordnet sind, sondern eher für die gesamte Schule gelten.

 

Anschaffung eines zweiten Lasercutters für den Fachbereich Technik

verantwortlicher Lehrer: Johannes Hilscher

Dank der großzügigen Unterstützung der Vektor Stiftung und des Fördervereins der Jerg-Ratgeb-Realschule konnte der Fachbereich Technik einen zweiten Lasercutter der Firma Mr Beam samt Absaugung anschaffen. Diese Investition ermöglicht es, den Technikunterricht noch praxisnaher und moderner zu gestalten.  

Der neue Lasercutter erweitert die bereits vorhandenen Möglichkeiten im Bereich der digitalen Fertigung. Schüler*innen können nun ihre eigenen Entwürfe präzise umsetzen und ihre Projekte noch kreativer gestalten. Besonders profitieren die Technikgruppen von der höheren Verfügbarkeit des Geräts, da Wartezeiten reduziert und mehrere Projekte parallel realisiert werden können.  

Ein herzlicher Dank gilt der Vektor Stiftung sowie dem Förderverein, die diese Anschaffung erst möglich gemacht haben. Durch ihre Unterstützung wird die technische Bildung an unserer Schule erheblich aufgewertet und zukunftsorientiert ausgebaut.

 (Johannes Hilscher)

 

Vorurteile im Alltag erkennen lernen
 
Herrenberg: Zum zweiten Mal widmet die Jerg-Ratgeb-Schule ihre Alternative Schulwoche der Demokratiebildung. Es gibt Workshops zu Themen rund um Gleichheit und Meinungsvielfalt.
 
von Thomas Morawitzky, Gäubote Herrenberg, 08.02.2025
 

Abdullah Yildrim und Ayla Kolar reden mit den Schülern im jüdisch-muslimischer Workshop über Antisemitismus.               GB-Foto: Holom

Demokratie hat viele Facetten, stellt viele Herausforderungen, auf vielen Ebenen. Zum zweiten Mal nutzte die Herrenberger Jerg-Ratgeb-Schule ihre Alternative Schulwoche dazu, dieses große Thema zu erkunden. Seit Montag beschäftigten sich Schüler in verschiedenen Formaten mit verschiedenen Aspekten einer Gesellschaft, die Gleichheit und Meinungsvielfalt zu ihren Grundsätzen zählt.

Eine alternative Schulwoche gibt es an der Jerg-Ratgeb-Schule seit Jahren schon. Klassen beschäftigen sich mit verschiedenen Themen. Workshops mit externen, Kräften finden statt. Die Schüler der neunten Klassen nehmen an diesen Tagen teil am sogenannten „Mutmacherseminar", das der Berufsvorbereitung dient. Nicht Berufsfelder, Arbeitsmarkt stehen hier im Mittelpunkt, sondern die besonderen Stärken der Schüler, ihre Persönlichkeit. Sie lernen sich selbst besser kennen und wissen später vielleicht besser, welchen Beruf sie ergreifen möchten. Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Gemeinschaftsgefühl, Resilienz stehen im Mittelpunkt für die Klassen fünf bis sieben - Themen, die zwar nicht unmittelbaren Bezug zum Hauptthema Demokratie besitzen, in einer demokratischen Gesellschaft aber eine große Rolle spielen.

In den Klassen 8 bis 10 der Jerg-Ratgeb-Realschule rückt die Politik nicht nur als Inhalt der Workshops stärker in den Mittelpunkt. Dort findet auch eine Vorbereitung zur sogenannten Juniorwahl statt. Am 19. und 20. Februar, wenige Tage, ehe die wahlberechtigten ausgewachsenen Bundesbürger zur Urne schreiten, werden es die Schüler tun, in einer simulierten Bundestagswahl, die, lokal und bundesweit, auch ausgezählt werden wird. Eine sehr praktische Einführung in die Demokratie.

"Wir mussten manchmal schützend eingreifen"
Alexander Riegler

Zuvor schon setzen sich die Schüler auf unterschiedliche Weise mit Themen wie Rassismus, Sexismus, Mobbing, Fake News und anderen auseinander. „Was heißt hier wir" ist ein Stück der Theatergruppe „eureformation", die im vergangenen Jahr bereits in Herrenberg zu Gast war, mit einer Produktion, die sich Dietrich Bonhoeffer widmete. Nun erleben die 10. Klassen der JRS ein Stück, das sich mit der Frage beschäftigt, was es bedeutet, „deutsch" zu sein.

„Yad be Yad" derweil heißt ein Workshop der Klassen 9 und 10, der an zwei Tagen der Schulwoche stattfindet und bei dem die Schüler sich direkt ins Gespräch mit einem jüdischen oder muslimischen Gegenüber begeben. Das Gespräch findet in der Klasse, aber, auf Wunsch der Work- 
shopleiter, unter Ausschluss von Lehrern und Öffentlichkeit statt. „Act now" schließlich sind Workshops, bei denen Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe acht gemeinsam mit theaterpädagogischen Kräften die Eskalation von Szenen durchspielen, in denen Sexismus, Rassismus oder Ähnliches eine Rolle spielen.

Die Schüler sitzen im Kreis, füllen ein Klassenzimmer, die Theaterpädagoginnen diskutieren mit ihnen das Spiel, die Ergebnisse, Erlebnisse. Und die Jugendlichen denken nach, prüfen im Gespräch ihre Reaktionen, überlegen, wie eine Gesellschaft besser, fairer werden könnte. Schüler Tim fand den Workshop spannend - und lehrreich: „Wir haben viel erfahren, was im Alltag so durch Gruppenzwänge passieren kann. Ich habe so etwas selbst schon oft erlebt, mit Freunden, aber es eigentlich gar nicht gemerkt."

„Im Alltag gibt es oft einen Gruppenzwang", sagt Annalena. „Schon wenn jemand ausgeschlossen wird, weil er nicht mittrinken will oder etwas nicht essen will. Dann heißt es gleich: Wenn du nicht mitkommst, dann bist du nicht mehr mit uns befreundet." Esina weiß, dass Gruppenzwang positiv oder negativ erfahren werden kann - „Manchmal isst man etwas dann doch mit und findet es total lecker." Sie weiß aber auch, wie unangenehm der Druck sein kann, den eine Gruppe auf den Einzelnen ausübt, oder wie schlimm Ausgrenzungen aufgrund der Herkunft sein können: „Ich wurde in Deutschland geboren", sagt sie, „aber meine Familie stammt aus der Türkei. Ich habe so etwas schon erlebt. Es ist eklig. Man weiß dann nicht, was man tun soll."

„Yad be Yad" heißt, auf Arabisch und Hebräisch, „Hand in Hand" - auf solche Weise antisemitischen und antimuslimischen Vorurteilen zu begegnen, ist der Vorsatz des gleichnamigen Projekts, das seit 2024 vom Kultusministerium des Landes gefördert wird. Abdullah Yildrim und Ayla Kolar sind es, die im Auftrag des Stuttgarter Vereins Kubus nach Herrenberg gekommen sind, um mit Schülern der Jerg-Ratgeb-Realschule über diese Themen zu sprechen. Abdullah Yildrim fiel in diesen Gesprächen auf, wie wenig die Schüler mit der Symbolik der antisemitischen Propaganda, den Verschwörungstheorien vertraut sind, die Juden als bluttrinkende Ungeheuer und Großbankiers zeigen.

„Antisemitische Haltungen", sagt er, „treffen wir eigentlich vor allem an, wenn ein Kind an einer Schule von ihnen betroffen ist. Sonst kommen solche Äußerungen nur aus der rechten Szene." Seit einem Jahr arbeiten Abdullah Yildrim und Ayla Kolar für den Verein Kubus, wurden als Workshopleiter geschult - mit rechtsradikalen Inhalten wurden sie seither nicht selten konfrontiert. Rund 750 Schüler besuchen die Jerg-Ratgeb-Realschule derzeit. Etwa 450 von ihnen in den Klassenstufen 7 bis 10. Alexander Riegler, Rektor der Schule, berichtet, dass derzeit kein jüdischer Schüler die JRS besucht. Im vergangenen Schuljahr war das anders - „Und wir mussten tatsächlich manchmal schützend eingreifen." Auch die Zahl der muslimischen Schüler ist nicht hoch an der JRS. Antimusilimische Haltungen finden sich dennoch häufig.

Abdullah Yildrim und Ayla Kolar befragten die Teilnehmer ihres Workshops nicht zu ihrem religiösen Hintergrund. „Unser klarer Fokus", sagt Ayla Kolar, „liegt darauf, das jüdische und muslimische Leben heute zu zeigen, denn das wird im Unterricht nur wenig behandelt." In Herrenberg, an der Jerg-Ratgeb-Realschule, haben sie mit aufmerksamen und diskussionsfreudigen Schülern sehr gute Erfahrungen gemacht

(Artikel erschienen am 08.02.2025 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

Mit 24 Mark in die Freiheit
 
Herrenberg - Helmut Kaulfuß wird am Sonntag 90 Jahre alt. Der gebürtige Chemnitzer floh aus der DDR, landete in Württemberg und arbeitete im Stahlbau, im Straßenbau sowie als Volks- und Realschullehrer. Politisch interessiert bleibt der Sozialdemokrat auch im Alter
 
von Benjamin Merkt, Gäubote Herrenberg, 07.12.2024
 

Zum Bergsteigen reichen Helmut Kaulfuß Kräfte nicht mehr, doch das politische Geschehen verfolgt der morgen 90-Jährige noch aufmerksam.
Zwei Diktaturen erlebte der pensionierte Lehrer - erst das Dritte Reich, danach die DDR.               GB-Foto: Holom

Am 8. Dezember 1934 wurde Helmut Kaulfuß in Chemnitz geboren, vier Kilometer von der Stadt entfernt wuchs er auf dem Dorf auf, wo er auch die Volksschule be¬suchte. Der Hauswirt, bei dem die Familie Kaulfuß zur Miete wohnte, war im Widerstand gegen die Nationalsozialisten organisiert, mit dem Fahrrad holte dieser Flugblätter in Tschechien ab. Jeden Abend verschloss er die Fensterläden mitsamt der Wohnungstüre und schaltete den Londoner Rundfunk ein, mit dabei war auch immer der junge Helmut Kaulfuß. „Wenn Du etwas davon sagst, dann bin ich ein toter Mann“, nahm der Hauswirt den damals Zehnjährigen in die Pflicht. „Ich habe nichts gesagt, er war wie ein Ersatzvater für mich“ erinnerte sich Kaulfuß, dessen eigener Vater im Kriegsdienst war.

Spätere Ehefrau Helga bereits in der Schule kennengelernt

Die örtliche Volksschule wurde 1944 zum Lazarett umfunktioniert, weshalb sich der Unterricht auf zwei Stunden pro Tag reduzierte und in eine Baracke am Sportplatz verlagerte. An einen Schultag erinnert sich der Jubilar auch 80 Jahre später noch ganz genau: Helmut Kaulfuß hatte gerade den Tafeldienst gemeinsam mit einem Freund beendet, sie traten aus der Baracke heraus, die circa 100 Meter vom nächsten Haus entfernt im freien Gelände stand. „In dem Moment sind die Tiefflieger gekommen und haben angefangen zu schießen. Wir sind um unser Leben gerannt und haben Glück gehabt“, schildert der 90-Jährige.

„Möchtest Du lieber alleine sitzen oder neben dem Mädchen sitzen?“, wurde der damals 16 Jahre junge Helmut von seinem Lehrer vor die Wahl gestellt, als er gegen Ende der zehnten Klasse im sächsischen Mittweida als neuer Mitschüler in die Klasse kam – er entschied sich für den Platz neben dem Mädchen. „Sie ist später meine Frau geworden. Seitdem haben wir wie ein Ehepaar gelebt, bis zu ihrem Tod“, blickt Kaulfuß lächelnd zurück.

Mit ihr gemeinsam studierte Helmut Kaulfuß in Potsdam Geografie und besuchte regelmäßig ihre Verwandtschaft in Westberlin. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass die Staatssicherheit ihn dabei beschatten ließ, bis sie ihn im September 1955 einbestellte. Detailliert dokumentiert wurde Helmut Kaulfuß mit seinen Aufenthalten in Westberlin konfrontiert, er ahnte, dass der Rausschmiss aus der Universität kurz bevorstand.

„An deiner Stelle wäre ich weg, mehr sage ich nicht“, riet ihm eine Freundin, die selbst SED-Mitglied war, unter der Hand. „Am nächsten Tag war ich weg“, fasst Kaulfuß seinen Entschluss zusammen.

Ohne persönliche Habseligkeiten, lediglich mit seiner Aktentasche in der Hand und seinem Stipendium von 120 Ostmark ausgestattet, passierte Helmut Kaulfuß am Bahnhof Griebnitzsee die Kontrolle der Volkspolizei. Nach ein paar Hundert Metern erreichte der Zug Westberlin. „Hier habe ich mein Stipendium von 120 Ostmark im Verhältnis 1:5 umgetauscht, dann hatte ich 24 Mark, und das war mein Start in die freie Welt.“

Im Aufnahmelager Sandbostel in Bremen suchten sich Vertreter aus allen Bundesländern mit einer Liste die von ihnen benötigten Fachkräfte zusammen. Als Flüchtling mit abgebrochenem Studium rechnete Kaulfuß sich keine Chancen aus.

„Das ist ein netter Kerl, kannst Du ihn nicht mitnehmen?“, redete man letztlich dem Vertreter aus Württemberg gut zu, nachdem alle Fachkräfte bereits mitgenommen worden waren. Dieser willigte etwas widerwillig dann doch noch ein.
 
Während Helmut Kaulfuß nach Oppenau im Renchtal gebracht wurde, kam seine Frau Helga nach Ehingen an der Donau. Den Kontakt zueinander konnten sie derweil über das Telefon der Lagerleitung aufrechterhalten. So konnten sie vereinbaren, dass sie zusammen nach Böblingen entlassen werden wollten, wo Kaulfuß beruflich neu Fuß fasste. Zuerst im Straßenbau, danach im Stahl- und Betonhochbau, hiernach im Lager Sanitär der Firma Reisser, wo er allerdings auch nicht lange blieb, denn ohne Ausbildung sah er für sich keine Chance auf einen gefestigten beruflichen Boden unter den Füßen.

Damit war der Entschluss gefallen, sein nach vier Semester in Potsdam abgebrochenes Studium wiederaufzunehmen, worauf sechs Semester in Tübingen, zwei in England und zwei Semester am pädagogischen Institut in Stuttgart folgten, bis Helmut Kaulfuß die Befähigung zum Volksschullehrer erlangte.

Mit seiner ersten Stelle an der Albert-Schweitzer-Schule in Herrenberg 1963 streifte Helmut Kaulfuß den Status des Flüchtlings endgültig ab, wechselte später an die Jerg-Ratgeb-Realschule Herrenberg, in der er bis 1995 blieb und sich dann aufgrund eines Tinnitus frühzeitig in die Pension verabschieden musste. „Ich bin jeden Tag gerne in die Schule gegangen, aber ich konnte die Schüler nicht mehr verstehen“, bedauert er den frühzeitigen Abschied.

Der Sozialdemokrat Helmut Kaulfuß, dessen Ehrennadel zum 60-jährigen Parteijubiläum ihm im vergangenen Jahr überreicht wurde, kann auf eine stattliche Aufsteigergeschichte zurückschauen.

1997 musste Helmut Kaulfuß von seiner Ehefrau Helga Abschied nehmen, die einer Krebserkrankung erlag. 1953 waren beide zusammen im Berliner Olympiastadion, da entfachte in dem damals 19 Jahre alten Helmut die Leidenschaft für den VfB. Später besuchte das Paar jedes Heimspiel zusammen, und noch heute schnellen seine Arme zu jedem Tor der Stuttgarter in die Höhe. 1999 lernte Helmut Kaulfuß seine zweite Partnerin kennen. Das Paar heiratete zwar nie, verbrachte aber unvergessliche Momente zusammen.

Seit dem Tod seiner Partnerin im März 2024 lebt der rüstige Rentner alleine. Der größte Unterschied zum Verlust seiner Ehefrau ist für Kaulfuß sein Alter. Mittlerweile kann er keine großen Wanderungen mehr unternehmen, auch Bergsteigen lassen seine Kräfte nicht mehr zu. Das Interesse am großen politischen Geschehen hingegen besteht weiter, wovon viele aktuellen und zeithistorischen Bücher zeugen.

Mit zehn Gästen begeht der Jubilar heute seinen Ehrentag im „Römerhof“ in Gültstein.

(Artikel erschienen am 07.12.2024 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

Fünftklässler-Eltern der JRS bilden sich weiter in Gewaltprävention
 
Gäubote Herrenberg, 27.11.2024
 
Verantwortlich: Sven Löbel

GB-Foto:gb

Herrenberg - Beim Elternprojekt „f.ü.r." lernten einige Mütter und Väter der Klassenstufe 5 der Jerg-Ratgeb-Realschule (JRS) viel über ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander. Der Name des Projekts zur Gewaltprävention steht für „Freunde üben Rücksicht". Die Kinder sollen lernen, auch bei Schwierigkeiten im Umgang miteinander respektvoll und gewaltfrei zu bleiben als wichtiger Beitrag für eine gedeihliche Lernumgebung, in der sich Kinder frei von Sorgen entwickeln können. Dieses Mal ging es um die Ausbildung der Eltern, damit die das Wissen über ein gewaltfreies Miteinander an Schüler und weitergeben können. Die Ausbildung der Eltern wurde durch die Gründer aus Altensteig geleitet. Die Teilnehmer erhielten ein Zertifikat. Die Rückmeldung der Eltern war sehr positiv: „Ich habe viel gelernt - auch für zu Hause." -gb-

(Artikel erschienen am 27.11.2024 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

Die Opfer bekommen ihre Namen zurück
 
Gäufelden: Mehr als 500 Personen beteiligen sich an einer Menschenkette
von Nebringen nach Tailfingen -  es ist die Strecke, die vor genau 80 Jahren
die Häftlinge auf ihrem Weg zur KZ-Unterkunft gehen mussten.
 
von Katja Fuchs Gäubote Herrenberg, 21.11.2024
 
betreuende Lehrer: Meike Hirner, Dominik Kirgis
 

Auf 2,5 Kilometern stehen die Menschen mit Plakaten, die den namenlosen Opfern ihre Identität zurückgeben sollen.

Hauptsächlich Schüler - Schickhardt-Gymnasium, Andreae-Gymnasium und Jerg-Ratgeb-Realschule aus Herrenberg, Gemeinschaftsschule Gäufelden und zwei Schulen aus Rottenburg beteiligen sich an der Menschenkette, die damit hauptsächlich aus Schülern besteht. Doch auch eine Handvoll anderer Bürger ist gekommen, die mitmachen wollen. Leicht zu koordinieren ist die Schlange nicht. Gute 2,5 Kilometer umfasst der Weg. „Wir haben die Strecke auf die Personenzahl umgerechnet", erklärt Benjamin Merkt, Vorsitzender des Vereins KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen. „Jeder hat etwa fünf Meter für sich, das müsste hinhauen." In der Praxis hapert es dann doch etwas. Die Lehrer versuchen teils, auf Fahrrädern ihre Schülerschlangen passend aufzustellen. Dennoch bleiben immer wieder Lücken. „Es macht einen Unterschied, ob man den Überblick über 30 Schüler haben muss oder über 160", stellt JRS-Lehrerin Meike Hirner fest. Dennoch, die Aktion erfüllt ihren Zweck. „Es macht uns froh, dass wir das Bewusstsein für ein so wichtiges Thema schärfen können und vor allem, dass unsere Schüler auch verstanden haben, wie wichtig das ist."

Kein Spaßausflug - Die strahlende Sonne sorgt für eine wunderschöne Aussicht über die Felder zwischen Nebringen und Tailfingen. Doch sie trügt. Ein beißend kalter Wind fegt über die Feldwege, der unter jede noch so gute Winterjacke und in jeden gefütterten Stiefel kriecht. Etwas dergleichen hatten die 601 Häftlinge, die 1944 vom Nebringer Bahnhof zu einem Hangar in Tailfingen marschieren mussten, nicht. Das war ihre Unterkunft nahe des Konzentrationslagers Hailfingen/Tailfingen. Für 189 von ihnen war das nach einem langen Leidensweg die letzte Station. „Es gibt keine Möglichkeit, ihr Leid ganz nachzuvollziehen", sagt Lehrerin Meike Hirner von der Jerg-Ratgeb-Realschule. „Aber bei dieser Kälte bekommen wir eher einen Eindruck davon, was sie damals erlebt haben." Denn da war es auch tiefster Winter. „Müssen wir hier jetzt noch zwei Stunden in der Kälte stehen?", hört man die Schüler stöhnen. Einige ziehen sich die Schals ins Gesicht und beginnen, zu hüpfen, um sich warmzuhalten. Draußen in den, Feldern reißt der Wind einigen Schülern ihre Plakate aus der Hand. „Das ist kein Spaßausflug", meint die Lehrerin.

Namen den Namenlosen - Heinrich Müller. Aladar Klohen. Moses König. Und viele, viele weitere. Es reiht sich Schild an Schild, Plakat an Plakat. Dahinter steht jeweils ein Schüler, der es hochhält. Erarbeitet haben die Jugendlichen diese selbst im Unterricht. Jedes Plakat enthält Informationen über einen ehemaligen Häftling. Seinen Namen, das Geburts- und Sterbedatum, ein paar Worte über seine Erlebnisse. Einige Schüler haben sogar Landkarten mit den vorherigen KZ-Stationen ihrer Häftlinge auf den Schildern. Andere ganze Lebensläufe. Nicht zu jedem der Betroffenen gibt es viele Informationen. „Für unsere Neuntklässler ist das hier der Einstieg ins Thema Nationalsozialismus. Wir besuchen auch noch die Gedenkstätte mit ihnen", sagt Patrik Lemmes, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Gäufelden. Er ist mit 16 Schülern vor Ort, die mit großem Interesse an ihren Plakaten gearbeitet hätten. „Sie sind dabei zu unterschiedlichen Erkenntnissen gekommen. Eine Schülerin, die von ihrem Häftling nur den Namen und das Sterbedatum hatte, war überrascht, wie es zu einem Menschen so wenige Informationen geben kann. Wie das alles sein kann, was von jemandem übrig bleibt, der im KZ gestorben ist. Da waren einige Schüler fassungslos."

Wenn Geschichte sich wiederholt - „Ein paar Hundert Personen, das klingt eigentlich nicht nach viel", sagt JRS-Schülerin Nelli (14). „Aber durch unsere Aktion erkennt man, wie viele Menschen das tatsächlich waren. Die Schlange ist unglaublich lang." Und jedes dieser Opfer habe einen Namen und ein Schicksal gehabt. „Wir müssen daran erinnern, damit das nicht in Vergessenheit gerät", fügt Benjamin (14), ebenfalls Jerg-Ratgeb-Schüler hinzu. „Sonst könnte es sich in anderer Form wiederholen." Jonathan und Niklas (beide 14) machen sich da weniger Sorgen. „Noch ist die AfD zum Beispiel eine legale Partei", sagen sie. „Und die 'Menschen, vor allem hier in Deutschland, sind heute so sensibel bei diesem Thema, dass sie bestimmt verboten wird, bevor so etwas noch einmal passiert." Doch auch die Gegenwart sei wichtig, betont Mohammed (16) vom Schickhardt-Gymi, der selbst erst seit 2018 in Deutschland lebt. „Die Aktion ist wichtig und gut. Aber es wäre auch wichtig, mal eine Aktion zu den aktuellen Kriegen zu starten. Die Menschen in Israel und Palästina könnten noch gerettet werden."

Auch Nichtjugendliche - Die Zahl der Teilnehmer außerhalb der Schulen ist überschaubar, aber ein paar Gäufeldener sind doch dabei. Ruth Brucker aus Nebringen ist eine von ihnen. „Ich finde, es ist eine wertvolle Sache, dass an die Gräueltaten erinnert wird. Vor allem Jugendlichen sollte das Thema ins Bewusstsein gerufen werden. Die rechtsradikalen Tendenzen sind wieder sehr stark. Und zwar weltweit. Menschen leben auch heute im Krieg und erfahren Ungerechtigkeit." Dieses dunkle Kapitel in der Landesvergangenheit dürfe niemals verdrängt werden.

Die Resonanz ist da - "Das ist eine tolle Aktion. Junge Leute sollten darin bestärkt werden, sich für die Demokratie einzusetzen", finden Jutta Bauer und Sonja Hanstein, die vorbeigekommen sind, um sich die Aktion anzuschauen. Vor jedem Schild bleiben sie stehen, lesen, kommen mit den Schülern ins Gespräch. „Wir sind jetzt 70. Das war die Generation unserer Eltern", sagt Letztere mit Blick auf die Plakate. „Mein Vater war im Krieg und auch in Kriegsgefangenschaft", fügt Jutta Bauer hinzu. Und, dass 80 Jahre eigentlich noch gar nicht lange her seien. „Aber nicht nur deswegen sollte man an das Thema erinnern. Wir sind hier wegen dem, was heute passiert. Die rechten Kräfte werden immer stärker."

Nicht die Augen verschließen - Finn (15) vom Schickhardt-Gymnasium erzählt von seinem Häftling, der mit gerade einmal 17 Jahren ins KZ kam. „Es ist echt kalt", sagt er schlotternd. „Aber an sich finde ich die Aktion gut. Es ist wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen. Auch in Bezug auf den Krieg in Nahost." Er und seine Klassenkameraden seien mit dem Zug nach Nebringen gefahren. „Der Schaffner hat gesagt, wir sollen die Symbole auf den Plakaten nicht so offen zeigen. Manche Leute sehen das nicht gerne und es habe im Zug deswegen schon einmal Ärger unter den Fahrgästen gegeben." Das, so der junge, zeige einerseits, dass der Respekt vor den Taten der Nazis noch da sei, andererseits aber auch, dass viele Menschen lieber die Augen verschließen. „Das ist aber ein Thema, das nicht versteckt werden sollte."

Kundgebung in Tailfingen - "Wenn man die Überlebenden fragt, was das Schlimmste im Lager war, hört man überraschenderweise oft nicht 'der Hunger' oder 'die Kälte'", so Gedenkstätten-Vereinsmitglied Harald Roth. „Sondern, dass man am Tor seinen Namen, seine Identität abgegeben musste. Die Menschen waren nur noch Nummern. Aber Ihr habt ihnen ihre Namen und damit ihre Würde zurückgegeben", lobt er die Schüler am Ende der Aktion. Bundestagsabgeordneter Peter Seimer fügt hinzu: „Angefangen hat die NS-Zeit mit dem Wort 'anders'." Damals seien es die Juden gewesen., „Aber auch heute wird Hass und Hetze gegen Minderheiten gestreut." Umso wichtiger sei es, nicht aufzuhören, für die Demokratie einzustehen.

(Artikel erschienen am 21.11.2024 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

Englandfahrt der 9er-Klassen vom 06.10.-11.10.2024

betreuende Lehrkräfte: Martin Strübin, Tanja Braun, Melanie Wissendaner, Maximilian Glaser

Anfang Oktober verbrachten 49 Schülerinnen und Schüler sowie vier Lehrkräfte unserer Schule eine tolle und erlebnisreiche Woche in England. Die Fahrt nach Hastings, eine schöne Küstenstadt am Ärmelkanal, dauerte gute sechzehn Stunden. Am Ziel angekommen wurden die Schülerinnen und Schüler müde, aber voller Vorfreude, von ihren Gastfamilien in Empfang genommen. 

Der nächste Tag startete mit einer Fahrt in das berühmte Seebad Brighton. In kleinen Gruppen wurde zunächst durch die Lanes, ein berühmter Stadtteil mit engen und verwinkelten Gässchen, geschlendert, nach Souvenirs Ausschau gehalten und frische Seeluft geschnuppert. Danach ging es weiter zum Brighton Pier, eine ins Meer ragende Seebrücke mit Karussells und Achterbahnen. Wer wollte, durfte sich auch mit dem i360 in luftige Höhen wagen. Die bewegliche Aussichtsplattform dieses gut 170 Meter hohen Turmes bescherte einen spektakulären Ausblick auf Brighton und die Küste. Nachmittags genossen alle eine eindrucksvolle Klippenwanderung in der Nähe von Eastbourne mit einer grandiosen Sicht auf den Ärmelkanal.

Höhepunkt der Reise waren sicherlich die zwei darauffolgenden Tage in London. Hier standen Sehenswürdigkeiten wie Big Ben, Westminster Abbey und der Buckingham Palace auf dem Programm. Auch eine Fahrt auf der Themse durfte selbstverständlich nicht fehlen. In schwindelerregende Höhe beförderte uns die Fahrt mit dem London Eye und wir durften für eine knappe halbe Stunde die Stadt von oben genießen. Ausreichend Zeit zum Shoppen bot der Besuch auf dem Camden Market. Die bunten Häuserfassaden, die vielen kleinen Läden und das geschäftige Treiben auf den Straßen zeigten nochmal eine weitere Facette der englischen Hauptstadt. 

Den letzten Tag der Englandfahrt verbrachten wir in Hastings. In dieser geschichtsträchtigen Stadt durften alle an einer englischen ‚Teatime‘ teilnehmen, bei der leckerer Tee und Scones gereicht wurden. Dabei wurden die Teilnehmenden auch auf humoristische Weise in die Geschichte des Teetrinkens eingeweiht. Aufregend endete der Tag mit dem Besuch des ‚True Crime Museum‘, dass viele Informationen und Fakten über spannende Kriminalfälle bot. Am späten Nachmittag hieß es dann leider schon wieder Abschied nehmen von der Insel.

Wir danken dem Förderverein ganz herzlich für die großzügige finanzielle Unterstützung der Englandfahrt 2024!

 (Tanja Braun)

 

Momo

verantwortliche Lehrkräfte: Stephanie Fritsche, Ilona Will

MOMO

Was sich alles in diesem Wort versteckt?

Ein kleines Mädchen, das die Zeit der Menschen rettet und den Kampf gegen die grauen Herren gewinnt!

Aber auch:

Ein großes Theaterstück, das die erste Theater_AG der JRS super erfolgreich mit in etwas mehr als 100 Minuten und 350 Sekunden auf die Bühne des AGH brachte!

Kurz vor Ende des Schuljahres 23/24 fand die Theaterarbeit der 25 5. bis 7. Klässler mit der Theateraufführung ihren fulminanten Abschluss. Alle Szenen saßen - alle Requisiten auch, die Texte waren auswendig gelernt und das Bühnenbild war fertig. Also konnten die Elternaufführung und die Schüleraufführung starten. Der riesige Applaus am Ende zeigte uns allen, dass sich die intensive Probenarbeit mit all ihrem Schweiß, Pizza und Eis gelohnt hatte. Ein ganz besonderes Dankeschön geht an den Förderverein, der uns so großartig unterstützt hat. Mit seiner Hilfe konnten wieder die altbewährten Tanzpädagogen Adrian und Marieke vom Staatsballet JUNG zu uns kommen und den selbstchoreographiertenTanz der grauen Herren mit den Jungs und Mädels einstudieren. Da stieg ab und zu sogar eine synchrone Zigarettenrauchwolke auf- aber keine Angst – diese besonderen Zigaretten sind aus Kaugummi 😉 und nicht die gefrorene Zeit der Menschen.

In diesem Schuljahr geht die Theater_AG unter der Leitung von Stephanie Fritsche und Ilona Will weiter – vielleicht schauen Sie ja unsere nächste Aufführung an? Wir freuen uns!.

 (Ilona Will)

Probe mit Adrian und Marieke 

Probenszene Momo mit den grauen Herren 

Leckeres Pizzaessen 

Schlussfoto der kompletten Truppe 

Bei Herrn Fusi - die Zahlenbänder

 

Light In The Dark – Das Graffiti-Projekt des JRS-Schülerbibelkreises

verantwortlicher Lehrer: Alexander Riegler

Seit zwei Jahren bereichert der Schülerbibelkreis nun schon das Schulleben der JRS. Jeden Freitag treffen sich unter der Leitung von Lucy Versteeg und Maja-Lene Büchert Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen zum gemeinsamen Beten, Singen, Reden und Spaß haben. 

Ein ganz besonderes Projekt stand am Ende des letzten Schuljahres auf dem Programm. Gemeinsam mit dem ehemaligen evangelischen Jugendreferenten Nathan Kitch entwarfen die Jungen und Mädchen ein cooles Graffiti-Motiv als Zeichen und Ausdruck ihres Glaubens und brachten dieses im Format von etwa 5m auf 4m auf die Wandfläche am unteren Eingang der Schule.

Dank der professionellen Unterstützung und Anleitung von Nate entstand ein tolles Graffiti, das nicht nur in der Entstehung und Umsetzung, sondern nun jeden Tag allen, die daran vorbeigehen und es anschauen viel Freude bereitet. 

Herzlichen Dank an unseren Förderverein, der dieses Projekt finanziell ermöglicht hat und unseren Schülerinnen und Schülern immer wieder tolle Gelegenheiten bietet, sich kreativ und engagiert in der Schule einzubringen.

 (Alexander Riegler)

 

Beitragsliste