Am Montag startete für die Klassen 5 der Markwegschulen wieder das schulübergreifende Schulbusprojekt. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich das Konzept in Herrenberg zu einem Vorzeigeprojekt.

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Wo im Bus verstaut man den Schulranzen? Wie verhält man sich, wenn es brennt? Wozu dient der Nothammer? Und wie kann man sich aus einem umgekippten Bus retten? Die Kinder sind neugierig und haben viele Fragen. Claudia Wiest, Referentin des Bildungswerks der Omnibusunternehmer, beantwortet sie geduldig und mit viel Humor. In zweimal 45 Minuten bereitet sie die Fünftklässler der Vogt-Heß-Werkrealschule, der Jerg-Ratgeb-Realschule und des Andreae-Gymnasiums in Theorie und Praxis auf die tägliche Busfahrt zur Schule vor. „Für viele Kinder, die aus den Dorfschulen kommen, ist es eine große Umstellung, nun mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Schule zu fahren. Viele nutzen zum ersten Mal den Bus", erklärt der Verkehrsbeauftragte der Jerg-Ratgeb-Realschule, Hermann Rösch. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Kinder derzeit mit dem Bus zur Schule gelangen, besteht also dringender Handlungsbedarf für ein Schulbus-Sicherheitstraining - auch wenn der Bus noch immer eines der sichersten Verkehrsmittel ist.
Nachdem sich vor einigen Jahren kaum noch ein Busfahrer bereiterklärte, einen Schulbus zu steuern, sahen sich die Markwegschulen aufgefordert, zu handeln. Ein „Verkehrsausschuss" aus verschiedenen. Akteuren wie Schuldirektoren, Busunternehmern und Elternvertretern wurde einberufen und diskutierte an einem Runden Tisch Lösungen für das Problem. Im Jahr 2006 fiel so die Entscheidung, das schulübergreifende
Schulbusprojekt ins Leben zu rufen. Fünftklässler der weiterführenden Schulen erhalten seither wertvolle Tipps und Wissen zum Verhalten und zum. Umgang mit anderen Fahrgästen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die „Zehn Regeln für den sicheren Schulweg mit dem Bus" dienen dabei als Leitlinien. Im praktischen Teil erfahren die Schüler Wissenswertes über den toten Winkel und erleben hautnah eine Vollbremsung, um so
eine Vorstellung von der Länge des Bremsweges zu erhalten. Seit vier Jahren werden zusätzlich zum Sicherheitstraining in jedem November Schulbusbegleiter ausgebildet, die die Einhaltung der Regeln
in den Bussen gewährleisten. Ältere Kinder übernehmen so Verantwortung für die jüngeren. Zwischen 60 und 70 engagierte Schüler sind inzwischen im Einsatz. An problematischen Bushaltestellen sorgt außerdem die Präsenz von Eltern für Sicherheit und geregelte Abläufe. Das im Training erworbene und alltäglich praktizierte Wissen wird in der achten Klasse durch einen schulübergreifenden Verkehrssicherheitstag nochmals vertieft und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen angereichert.
„Unser Projekt hat über die Jahre Nachhaltigkeit erlangt", sagt Angela Schulz, Schulleiterin des Andreae-Gymnasiums. Auch der Pressesprecher des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer, Klaus Zimmermann, lobt die Herrenberger Schulen: „Herrenberg zitiere ich immer gern als Vorzeigeprojekt in Sachen Verkehrserziehung. Es ist ein durchdachtes Konzept, das von den teilnehmenden Menschen lebt. So etwas funktioniert nur, wenn Lehrer, Elternvertreter, Schuldirektoren und Omnibusunternehmen an einem Strang ziehen und das Projekt gemeinsam schultern - genau das geschieht in Herrenberg auf vorbildliche Weise." So ist jedem gedient. Die Schulen freuen sich über eine Imageverbesserung, die Eltern sind besänftigt und Omnibusunternehmer profitieren durch einen Rückgang der Verschmutzungen und Beschädigungen an ihren Fahrzeugen. Zum Dank luden die Unternehmen „Däuble" und „Rübenacker" die Herrenberger Schulbusbegleiter kürzlich nach Oberjettingen in den Hochseilgarten ein. Auch stellen sie alljährlich Busse und Fahrer für das viertägige Sicherheitstraining bereit.
(Artikel erschienen am 20.09.2011 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).