2016-06 Verkehrssicherheitstag

Mit dem Blick auf den toten Winkel
 
Herrenberg: Schüler des Markwegzentrums erfahren viel über Verkehrssicherheit.
 
von Thomas Morawitzky, Gäubote Herrenberg, 02.05.2016
 
betreuender Lehrer: Hermann Rösch
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Beim Verkehrssicherheitstag wird auch Erste Hilfe beigebracht    GB-Foto: Holom
 

Zumindest am Mittwochvormittag scheint die Sonne. Das war 2015 nicht so, als die Markwegschulen ihren Tag der Verkehrssicherheit veranstalteten. Grundschüler, Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten kamen deshalb zuhauf auf dem Rad zur Schule - und lernen dort nun nicht nur etwas übers Fahrradfahren dazu.

Verkehrserziehung gehört dazu im Schulzentrum Markweg. Alle Jahre wieder lernen die Schüler der achten Klassen am Verkehrssicherheitstag vieles, was sie sicherer macht, vor allem aber lernen sie, genauer hinzuschauen. Zum zwölften Mal findet der Verkehrssicherheitstag statt, rund 330 Schüler aller Markwegschularten gehen von Station zu Station - ein „Leuchtturmprojekt" ist das für Gudrun Schickler, die Leiterin des Andreae-Gymnasiums: „Wir bekommen überregionale Beachtung."

2016 markiert der Sicherheitstag einen Wechsel: Die Verkehrsbeauftragten Lutz Rasemann und Hermann Rösch verabschieden sich, sind noch im Amt, werden aber von ihren Nachfolgern Dominik Kirgis und Zoltan Borlan begleitet. Rasemann ist erkrankt, war aber maßgeblich an der Organisation beteiligt. Außer vielen Lehrern und Eltern sind lokale Unternehmen und Institutionen beteiligt, die mit dem Verkehr zu tun haben: Fahrschulen. Busunternehmen, Fahrradhändler, die Polizei, der Fahrradclub ADFC.

Das Projekt selbst ist sehr lange schon perfekt eingespielt; die sechs Stationen, an denen Fachleute, Lehrer, Eltern den Schülern Wissen über Gefahrsituationen vor allem im Schulverkehr vermitteln und ihnen Möglichkeiten aufzeigen, Unfällen vorzubeugen, gleichen sich von Jahr zu Jahr, sind von erwiesener Relevanz, interessant und manchmal sogar lustig. Im Hof der Jerg-Ratgeb-Realschule probieren Schüler die sogenannten Rauschbrillen aus, bei denen ein Effekt auftritt, der der Wirkung von mehreren Gläsern Alkohol entsprechen soll. Die Schüler schlingern kichernd und etwas verwirrt zwischen den Hütchen eines Fahrradparcours hin und her und versuchen, manchmal vergeblich, auf einem Hütchen einen Ball abzulegen.

Kleinere Reparaturen vor Ort

Jutta Kißling und Peter Krumpholz, beide Eltern, werfen neben den Schülern, die im Brillenrausch taumeln, kritische Blicke auf die Fahrräder, mit denen manche zur Schule gekommen sind. Eine Fahrradreparaturwerkstatt ist Bestandteil des Verkehrssicherheitstages. Hier erfahren Schüler, was ein sicheres Fahrrad ist und zumeist, dass ihr eigenes keines ist. „Ein sehr häufiger Fehler", sagt Krumpholz, „ist, dass die Bremszüge schlecht eingestellt sind, so dass die Bremswirkung zu gering ist. Man merkt sehr schnell, wer häufig mit dem Fahrrad fährt und es regelmäßig wartet." Einfache Reparaturen nehmen die Eltern vor; alles Weitere schreiben sie den Schülern auf einen Zettel und schicken sie in die Werkstatt.

Lehrer Gerhard Schray lässt die Schüler vor der Markweghalle Geschicklichkeit üben - da gibt es ein Band. das aufgespannt wird. tiefer und tiefer. unter dem die Schüler hindurchfahren; da gibt es die Aufgabe, so langsam zu fahren wie möglich, mit dem Fahrrad, ohne dabei jemals den Boden zu berühren. Hannah Koch, 14 Jahre alt, war schon 2015 beim Verkehrssicherheitstag mit dabei - als Stuntfrau, die auf auf einem Skateboard Bremswege demonstrierte. Schulbusbegleiterin ist sie außerdem. 2016 nun findet sie es gut, dabei zu sein, dazuzulernen: „Aber wozu das langsame Fahren gut sein sollte, das habe ich mich doch gefragt."

Hinter der Mensa zeigen die Schülermentoren des AGH realistisch, wie ein Unfall ablaufen kann und wie man erste Hilfe leisten sollte; draußen vor dem Schulzentrum, in der Kalkofenstraße, üben die Schüler das Verhalten am und im Bus, die Anhaltewege zu Fuß, mit Auto, Fahrrad, Kickboard, Skateboard und Motorroller.

Und jenseits der Gleise. nahe dem Bahnhof, stehen Jens Reichert und Canna Jürgens, Lehrer der Fahrschule Halanke, und erklären den Schülern, was ein toter Winkel ist. Um dies zu demonstrieren, sind die Fahrlehrer mit zwei Lastwagen gekommen. „Wie ist der Blick aus einem Lkw?" - diese Frage stellen sie den Schülern. Die Schüler streuen Tennisbälle auf die Straße, in jenen Bereichen, von denen sie glauben, dass sie dem Blick des Lkw-Fahrer unzugänglich sind. Das heißt: in den falschen Bereichen. „Meist streuen sie genau dorthin, wo der Fahrer gut sieht", sagt Reichert - nämlich unmittelbar hinter dem Fahrzeug. Der tote Winkel - ihn haben die Fahrlehrer mit Absperrketten markiert -liegt tatsächlich seitlich der Fahrzeuge.

„Ich fahre zwar nicht Fahrrad", sagt Albin Duraku, einer der Schüler, die diese Lektion gerade gelernt haben und nun sehr schnell weiter wollen. „aber ich hab gelernt, wie es im toten Winkel ist."

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(Artikel erschienen am 02.06.2016 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

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