Der Schulstress kann schon im Bus beginnen. Doch mit dem richtigen Verhalten können alle Beteiligten eine entspannte Fahrt haben. Beim Schulbustraining am Herrenberger Markweg-Schulzentrum lernen Fünftklässler, was man im Bus machen sollte und was besser nicht.

Schulbustrainer Uli Bachmann zeigt, wie man sich während der Fahrt halten soll GB-Foto: Bäuerle
Zu spät aufgestanden, schnell gefrühstückt und in der letzten Sekunde in den Schulbus gesprungen: So sieht die Morgenroutine vieler Schüler aus. Doch das ist nicht ganz ungefährlich, wie sie am Mittwochvormittag beim Schulbustraining im Andreae-Gymnasium lernen mussten. Schulbustrainer Lothar Hihn zeigt in verschiedenen Rollenspielen richtiges und falsches Verhalten im Bus. Immer die Monatskarte oder das Geld bereithalten, nicht am Bussteig schubsen, und den Fahrer sollte man auch grüßen. „Auch eine gute Beziehung zum Fahrer ist wichtig, damit die Atmosphäre im Bus entspannt bleibt und alle gut ankommen", erklärt der Trainer den Schülern. Ulrich Bachmann fuhr selbst jahrelang Bus, jetzt bildet er in seinem Betrieb andere Fahrer aus. „Ich sage auch zu meinen Fahrern in den Seminaren immer, dass sie euch Schüler grüßen sollen. Viele berichten, dass seitdem die morgendlichen Fahrten viel friedlicher sind. Auch erzählen Lehrer, dass die ersten Stunden wesentlich effektiver sind, da die Schüler nicht schon von der Busfahrt gestresst sind", erzählt Bachmann.
Doppelstunde fürs Training
Bei den Schulbustrainings nimmt Herrenberg eine Vorreiterrolle ein. „Normalerweise gehen die Trainings nur eine Schulstunde, aber wir haben uns dazu entschieden, dafür eine Doppelstunde einzuräumen. So kann man in der ersten Hälfte in Rollenspielen noch mehr Szenarien durchgehen. Wir sind sehr stolz auf unser Leuchtturmprojekt, es kann nichts Wichtigeres geben als die Verkehrssicherheit der Schüler", ist die Rektorin des Andreae-Gymnasiums, Dr. Gudrun Schickler, stolz auf das Projekt. „Der Erfolg des Projektes schlägt sich auch in der Unfallfreiheit im Schulbusverkehr nieder. Deshalb sind wir auch froh, dass der Förderverein das Projekt weiterhin unterstützt", fügt sie an.
Auch die Busunternehmer sind bestrebt, das Training in den Schulen auszubauen. Denn wenn sich die Schüler richtig verhalten, dann erleichtert das auch den Arbeitsalltag der Busfahrer. Der ADAC und der Verband baden-württembergischer Omnibusunternehmer beteiligen sich deshalb an. dem Projekt und haben auch die Kampagne „Bus fahren — aber richtig!" im Jahr 2013 ins Leben gerufen.
Nach den Rollenspielen ging es dann in einen richtigen Bus. In einer beeindruckenden Geschwindigkeit schafften die Schüler es, sich in einer Linie aufzustellen und den Bus zügig zu besteigen. Ulrich Bachmann demonstriert, wie man den Nothammer richtig benutzt. „Leider ist der Hammer ein begehrtes Souvenir unter Schülern. Jeder will seinen eigenen Nothammer zu Hause. Die neueren Busse haben deshalb ein Sicherungssystem, das Alarm schlägt, wenn einer aus der Halterung genommen wird", erklärt er im Bus. Rund 2000 Schüler der fünften Klasse des Andreae-Gymnasiums, der Jerg-Ratgeb-Schule und der VogtHeß-Werkrealschule kommen in den Genuss des Schulbustrainings. Schüler der siebten Klasse können sich zusätzlich zu Buspaten ausbilden lassen, die den jüngeren Schülern bei der Fahrt helfen und ihnen das richtige Verhalten zeigen. Mit diesem umfassenden Training sollte der Schulbusverkehr in Herrenberg in Zukunft entspannt ablaufen.
(Artikel erschienen am 26.09.2014 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).
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Die Fotos zeigen Herrn Bachmann vom VBN als Moderator des Praxisteils im Einsatz. Die Erwachsenen, die z.T. auf den Bildern zu erkennen sind, waren Teilnehmer/innen, die an diesem Tag Ihre Schulbustrainer-Theorie-Ausbildung beim WBO, Baden-Württembergischer Omnibusverband e.V., in Böblingen absolvierten und in der 6. Stunde an dem Praxisteil im Markweg "hospitierten".
Zur Verdeutlichung des Busgewichts fuhr Herr Bachmann mit dem Bus auf einen Sportschuh, in den er zuvor vor der Klasse einen 5,- €-Schein gesteckt hatte. Er bot an: "Wer den Schuh unter dem Reifen hervor ziehen kann, kann das Geld behalten. Wer es nicht schafft, spendiert seiner Klasse einen Kuchen." So kamen in einer 5. Klasse 5 Kuchen für den nächsten Schultag zusammen und die Erkenntnis, dass Keiner eine Chance hat, wenn er mit dem Fuß unter einen Reifen gerät..