
Das Tempolimit im Ort beträgt eigentlich 50 Kilometer in der Stunde.
Man müsste in eine Zeitmaschine steigen können, um die schönen Dinge der Vergangenheit noch einmal zu erleben. Wer kennt diese Sehnsucht nicht. Leider nicht möglich. Aber man kann schöne Zeiten wieder aufleben lassen und in Erinnerungen schwelgen. Unter diesem Motto haben elf ehemalige Schüler der Jerg-Ratgeb-Realschule im Februar quasi eine Reise zurück in die Schulzeit gemacht. Sie waren zusammen im Ahrntal in Südtirol. Genau dort, wo sie damals immer im Ski-Schullandheim waren.
„Ich war von 1981 bis 1986 in der Sportklasse der Jerg-Ratgeb-Realschule. In dieser Zeit waren wir insgesamt sechsmal im Ski-Schullandheim in Steinhaus", erzählt der Kuppinger Michael Juhasz. Diese jährliche Fahrt gehörte damals zum Profil der Sportklasse, in der acht Stunden Sport pro Woche fest im Stundenplan verankert waren. Wie es so ist, verloren sich die meisten Mitschüler nach und nach aus den Augen.
Dann und wann lief man sich über den Weg. Michael Juhasz zum Beispiel traf vor rund zehn Jahren ganz zufällig Stefan Müller aus Deckenpfronn in einem Herrenberger Baumarkt. Eine Begegnung, die zur Initialzündung wurde. „Wir haben damals gesagt, dass es doch schön wäre, ein Revival auf die Beine zu stellen", sagt Juhasz. Beim ersten Mal konnten Juhasz und Müller einen weiteren ehemaligen Mitschüler zur Mitfahrt motivieren. Seitdem haben sie die Fahrt in unterschiedlicher Besetzung mit Ausnahme der beiden Corona-Jahre jedes Jahr wiederholt.
2026 ist es nun 40 Jahre her, dass man zum ersten Mal gemeinsam in den Bus nach Steinhaus geklettert ist. Damals noch voller Aufregung mit italienischen Lire im Brustbeutel. „Ich habe dort damals zum ersten Mal alleine eingekauft", meint Michael Juhasz mit einem Grinsen. Eine aufregende Sache so weit weg von zu Hause ohne Smartphone, das es damals noch nicht gab. Zum Runden wollten Juhasz und Müller ein paar mehr Mitschüler zusammentrommeln. Elf sind es am Ende geworden. „Von der Originalbesetzung von damals waren sechs dabei", so Juhasz.
Wenn es den Linderhof noch geben würde, dann hätten sie sich vermutlich die Pension von damals als Herberge ausgesucht. Dort steht heute ein Wellness-Ressort — eine Sache für den gut gefüllten Geldbeutel. Aber an vielen anderen Stellen hat sich nicht viel verändert. „Es ist vieles gleich geblieben", findet Stefan Müller. So gibt es zum Beispiel den Steinhaus-Wirt noch immer. Ein perfektes Lokal für die ehemaligen Schüler und Schülerinnen, um Michael Juhasz alte Anekdoten in Erinnerung zu rufen. „Dort trinken wir noch heute Amaretto auf eine ganz besondere Geschichte", erzählt Müller und blickt grinsend zu Michael Juhasz. Das erste Glas zahlt er. Eine Tradition, die vor Jahrzehnten begründet wurde. „Ich bin damals aus dem Schlepplift gefallen", erinnert er sich. „Die Bindung ging auf und der Ski ist im Tiefschnee verschwunden. Die ganze Klasse hat bei der Suche geholfen." Zur Wiedergutmachung musste er am Abend eine Runde Amaretto ausgeben.
"Ich bin damals aus dem Schlepplift gefallen" Michael Juhasz
Solche Erlebnisse sind nicht nur die Verbindung zwischen den Mitschülern von damals, sondern schlagen auch die Brücke zwischen gestern und heute. Streiche' bleiben gut im Gedächtnis. „Vor allem die Mädchen mussten auch im Ski-Schullandheim unbedingt die Schwarzwaldklinik anschauen", erinnert sich Juhasz. Und das zum festen Sendetermin. Streaming war noch in weiter Ferne. „Wir Jungs wollten die Mädchen ärgern und haben die Sicherung für das Fernsehzimmer ausgeschaltet." Es brauchte eine Weile, bis die Mädchen den Halunken auf die Schliche kamen. „Bis dahin war die Sendung schon vorbei."
Mit solchem Schabernack mussten sich die Frauen der Reisegruppe in diesem Jahr nicht herumschlagen. Und im Rahmenprogramm standen auch keine Folgen der längst ausgelaufenen Fernsehserie Schwarzwaldklinik. Die Abende vertrieb man sich über das verlängerte Wochenende unter anderem mit zwei Vorträgen. Per Beamer und Leinwand nahm Sven Ralfs den Rest der Gruppe mit auf seine Kilimandscharo-Tour und Michael Juhasz berichtete von seiner Teilnahme am New-York-Marathon Anfang November vergangenen Jahres. Das Skifahren genossen sie weitestgehend auf jenen Pisten, die sie schon bei der Premiere als Anfänger unsicher gemacht haben. „Diesmal sind wir aber zum ersten Mal auch außerhalb von unserem geliebten Steinhaus gefahren", erzählt Michael Juhasz. „Wir waren auf der spektakulären 'Sella Ronda' unterwegs. Wir haben die Tour am Morgen zu elft in Colfosco gestartet und sind dort am Nachmittag auch wieder zusammen angekommen." Ein tolles Gemeinschaftserlebnis, das am Abend in Steinhaus in der Disco „Hexenkessel" bis tief in die Nacht gefeiert wurde. Das Wochenende hat wieder ausreichend Geschichten produziert, die man sich in Zukunft erzählen kann. Nur für den Fall, dass man sich zufällig im Baumarkt über den Weg läuft.

Mit einem 3D-Drucker wurden extra Brillen für das Wochenende produziert.
(Artikel erschienen am 07.03.2026 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).