
Mathe-Abschlussprüfung in der Jerg-Ratgeb-Realschule Herrenberg: „Ich glaube an euch", steht auf der Tafel. GB-Foto: Holom
Am heutigen Dienstagmorgen öffnen die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler an den Realschulen wieder ihre Prüfungsbögen: Die schriftliche Englisch-Prüfung steht auf dem Programm. Es ist bereits die dritte von insgesamt vier Abschlussarbeiten, die zum Erlangen der mittleren Reife notwendig sind. Den Auftakt machte am 8. Mai die Deutschprüfung, gefolgt von Mathematik am 12. Mai. Am Donnerstag, 21. Mai, folgt noch das jeweilige Wahlpflichtfach - dann sind die schriftlichen Prüfungen geschafft.
An der Theodor-Schüz-Realschule (TSR) in Herrenberg legen in diesem Jahr 80 Schülerinnen und Schüler die Realschul-Abschlussprüfung ab. An der Jerg-Ratgeb-Realschule (JRS) sind es sogar 110 - hinzu kommen dort noch zehn Schülerinnen und Schüler, die parallel die Hauptschulabschlussprüfung ablegen. Auch an der Theodor-Heuss-Realschule in Gärtringen und den Gemeinschaftsschulen werden die Prüfungen geschrieben. Sie laufen nach landesweit einheitlichen Vorgaben des Kultusministeriums Baden-Württemberg ab. Alle Schulen erhalten dieselben zentral erstellten Aufgaben, alle Prüflinge beginnen gemeinsam um 9 Uhr des Prüfungstages. Hilfsmittel sind streng geregelt: Wörterbücher sind in den meisten Fächern erlaubt, Smartphones und Smartwatches hingegen gelten als verbotene Hilfsmittel - wer sie dabei hat, riskiert den Ausschluss von der Prüfung und damit seinen "Abschluss.
Mehrere Aufgaben in Deutsch innerhalb von drei Stunden
Die vier schriftlichen Prüfungen decken ein breites Spektrum ab. In der Deutsch-Prüfung, die den Auftakt machte, mussten die Schüler in 240 Minuten gleich mehrere Aufgaben bewältigen: Zunächst einen Sachtext analysieren - es geht um Textverständnis, aber auch Grammatik und Rechtschreibung, dann Fragen zur Pflichtlektüre beantworten und schließlich im Wahlteil zwischen einer dialektischen Erörterung, einer Gedichtanalyse oder einer Prosaanalyse wählen.
Als Pflichtlektüre haben beide Herrenberger Realschulen „Als die Welt uns gehörte" der britischen Autorin Liz Kessler gewählt - einen historischen Roman über drei Kindheitsfreunde im Wien des Jahres 1936, die der aufkommende Nationalsozialismus auseinanderreißt. Ein Buch, das Freundschaft, Verfolgung und den Verlust von Unschuld aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
In Mathematik mussten die Jugendlichen zunächst 45 Minuten lang ohne Taschenrechner auskommen - erst nach einer Pause durften Rechner und Formelsammlung auf den Tisch. Gefragt sind Kenntnisse aus vier Jahren Unterricht: von Algebra und Geometrie über Funktionen bis zur Wahrscheinlichkeitsrechnung. Im Wahlteil konnten die Schüler zwischen drei Aufgaben wählen und zwei davon bearbeiten.
Die heutige Englisch-Prüfung ist in fünf Teile gegliedert und dauert zweieinhalb Stunden. Den Anfang macht das Hörverstehen: 30 Minuten, kein Wörterbuch, volle Konzentration auf das gesprochene Wort. Nach einer Pause folgen Leseverstehen, Wortschatz- und Grammatikaufgaben sowie zwei Schreibaufgaben, bei denen kurze Texte auf Englisch zu verfassen sind - etwa 100 oder 160 Wörter sind gefragt. Den Abschluss bildet eine Sprachmittlungsaufgabe, bei der auf Englisch Gesagtes sinngemäß ins Deutsche übertragen werden soll.
Am Donnerstag steht das Wahlpflichtfach an. Dieses konnten die Schülerinnen und Schüler ab der sechsten Klasse wählen, zur Auswahl stehen Technik, Alltagskultur/Ernährung/Soziales (AES) oder eine zweite Fremdsprache. Technik-Schüler müssen ihr Wissen über Werkstoffe, Elektronik und Maschinentechnik unter Beweis stellen; im Wahlteil geht es um Themen wie Elektromobilität oder Solarenergie. Im AES-Bereich werden Kenntnisse zu Ernährung, nachhaltigem Konsum und privatem Finanzmanagement geprüft.
An der Theodor-Schüz-Realschule verbanden sich Prüfungsvorbereitung und besonderes kulturelles Erlebnis auf ungewöhnliche Weise. Am 27. März reisten alle Abschlussklassen gemeinsam nach Stuttgart, um im Hospitalhof einer Autorenlesung mit Liz Kessler selbst beizuwohnen. Die Lesung fand auf Englisch statt, ein Dolmetscher übertrug den Vortrag ins Deutsche. Für die bilinguale Klasse 10b der TSR war der Abend gleich in doppelter Hinsicht wertvoll: Das Buch ist zugleich Prüfungslektüre im Fach Deutsch und relevantes Material im bilingualen Geschichtsunterricht, der ebenfalls auf Englisch gehalten wird. Die Schüler konnten Kesslers Ausführungen ohne Dolmetscher folgen - ein kleiner, aber greifbarer Beweis dafür, wozu gute Sprachbildung befähigt.
Wer denkt, mit dem letzten Schriftlichen am 21. Mai sei alles erledigt, liegt nur halb richtig. Die Endnote in jedem Prüfungsfach setzt sich jeweils zur Hälfte aus der Jahresleistung und zur Hälfte aus dem Prüfungsergebnis zusammen. Innerhalb der Prüfungsleistung zählt die schriftliche Arbeit dreifach, während die mündliche Kommunikationsprüfung in Englisch - die bereits im März war - zweifach gewichtet wird. Wer seine schriftliche Note verbessern möchte, kann zudem in den Fächern Deutsch und Mathematik eine freiwillige mündliche Prüfung ablegen. Diese Option steht auch dann zur Verfügung, wenn der Prüfungsausschuss von sich aus eine mündliche Prüfung anordnet. Der Zeitplan bis zum Abschluss erstreckt sich noch über den Juni. Der Prüfungszeitraum für die mündlichen Prüfungen beginnt am Montag, 6. Juli, und endet am Freitag, 10. Juli. Danach heißt es für alle, die bestanden haben: Schulschluss. Die Entlassung der Abschlussschüler ist für 17. Juli vorgesehen.
(Artikel erschienen am 19.05.2026 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).