2016-11 Schulbusbegleiterausbildung

Vandalismusschäden gehen deutlich zurück
 
Herrenberg: Zwölf neue Busbegleiter für die beiden Schulzentren ausgebildet - Seit elf Jahren läuft das Projekt
 
von Francisco Albert, Gäubote Herrenberg, 17.11.2016
 
betreuender Lehrer: Dominik Kirgis
 
2016-11 Schulbusbegleiterausbildung 01 web

Die künftigen Schulbusbegleiter übten auch Rollenspiele    GB-Eoto: Holom
 

Die beiden Herrenberger Schulzentren Längenholz und Markweg verfügen Überzwölf neue Schulbusbegleiter: Die Jerg-Ratgeb-Realschule hat in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Ludwigsburg zwölf neue Schulbusbegleiter ausgebildet. Auch vom Schickhardt-Gymnasium sind zwei Schüler dabei.

„Hey, du darfst das nicht", sagt ein Schüler zu einem anderen, der gerade so tut, als ob er einen Stuhl mit Farbstiften beschmieren würde. Die zwölf Schüler der Klasse sieben üben im Feuerwehrhaus Herrenberg, wie sie sich bei Vandalismus richtig zu verhalten haben. Wenn der Mitschüler nicht spurt, wird der Fall umgehend dem Busfahrer mitgeteilt. Anschließend landen die Fälle beim Verkehrssicherheitsbeauftragten des jeweiligen Schulzentrums. Der arbeitet diese Fälle auf und geht sie später mit den ausgebildeten Begleitern durch. Dafür finden regelmäßig Besprechungen statt.

Verkehrssicherheitsbeauftragter der Jerg-Ratgeb-Realschule ist Dominik Kirgis (32). Er unterrichtet Deutsch, Geografie und Geschichte und übt das Amt im ersten Jahr aus, mit dem Ziel, dass Schüler sicher zur Schule kommen und wieder zurück.

"Schulbusbeglelter sind keine Petzen, sondern sie melden Straftaten" Detlef Langer

Im Schnitt werden pro Jahr zehn Schüler zu Schulbusbegleitern ausgebildet und bleiben es in der Regel bis zum Schulende. „Die Resonanz ist immens", sagt Kirgis. Aber nur diejenigen, die täglich Bus fahren, können auch Schulbusbegleiter werden.

„Die Ausbildung ist sehr praxisnah", betont Kirgis. An zwei Tagen bekommen die Schüler ein intensives Kompetenz-Training. Anhand von Rollenspielen werden Gefahrensituationen nachgestellt. Dabei lernen die Schüler, wie sie sich richtig ausdrücken und auftreten. Sie lernen auch, Verantwortung zu tragen. Der Wille der Schüler macht sich bemerkbar und ist nicht unbegründet: „Ich freue mich sehr über meine neue Aufgabe. Ich habe schon einmal eine Rauferei im Bus erlebt und konnte nichts tun. Jetzt weiß ich, was zu tun ist", sagt die 13-jährige Realschülerin Lea-Chiara Bsonek.

Detlef Langer (54), Präventionsbeauftragter des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, leitet das Seminar. Er begleitet das Projekt seit dem ersten Tag in Herrenberg. Der Hintergrund war die zunehmende Anzahl von Vandalismusschäden in Schulbussen. Um dem entgegenzuwirken, wurde dieses Projekt in Herrenberg ins Leben gerufen, gemeinsam mit den Busunternehmen und den jeweiligen Schulen. Davor gab es dieses Projekt schon an anderen Schulen im Land.

Das Vorhaben zahle sich aus, sagt Langer. „Laut Busunternehmen sind die Schäden von etwa 150000 Euro im Jahr auf etwa 30 000 Euro gesunken." Obendrein finden Schulbusbegleiter große Akzeptanz bei ihren Mitschülern. „Die meisten kommen erst gar nicht auf die Idee, etwas zu machen, wenn sie einen Begleiter sehen." Ihm ist es auch wichtig, eines zu vermitteln: „Schulbusbegleiter sind keine Petzen, sondern sie melden Straftaten. Das ist der große Unterschied." Das kommt auch so bei den Schülern an. Darüber hinaus freue er sich am meisten über die Persönlichkeitsveränderungen der Schüler. „Viele haben eine sehr starke Persönlichkeit angenommen und engagieren sich vermehrt ehrenamtlich." Das sei der größte Erfolg aus Langers Sicht. Auch die Busfahrer freuten sich über die Arbeit der Schulbusbegleiter, weil es in den Bussen dann wesentlich ruhiger sei. Weniger erfreut zeigt er sich über die Tatsache, dass die Zahl der Gymnasialschüler, die sich beteiligen, zurückgegangen ist. „Es liegt an den Eltern, die es ihren Kindern nicht erlauben." Der Grund dafür ist unbekannt.

(Artikel erschienen am 17.11.2016 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).