2014-05 Verkehrssicherheitstag 2014

„Helm an der Lenkstange” als bedenklicher Trend
 
Herrenberg: Zehnter Verkehrssicherheitstag für die Achtklässler der Markweg-Schulen
 
von Christina Mihajlovski, Gäubote Herrenberg, 15.05.2014
 
betreuender Lehrer: Hermann Rösch

Ein rundes Jubiläum wurde am Mittwoch in den Markweg-Schulen in Herrenberg begangen: Bereits zum zehnten Mal jährte sich der Verkehrssicherheitstag für alle Achtklässler des Schulverbundes. Auch dieses Jahr waren wieder zahlreiche Partner aus der Region mit am Start. Mit Spiel und Spaß, aber auch mit dem nötigen Ernst sollen die jungen Verkehrsteilnehmer für den Straßenverkehr sensibilisiert werden.

2014-05 Verkehrssicherheitstag 01 web

 

Auf dem Schulgelände der Markweg-Schulen herrscht ein reges Treiben: Bunte Pylonen stehen herum, die Fahrradständer sind brechend voll, Busse, Lastwagen und ein Polizeiauto sind im Einsatz. Und dazwischen: Schüler des Andreae-Gymnasiums, der Jerg-Ratgeb-Realschule und der Vogt-Heß-Werkrealschule. Zielstrebig bewegen sie sich in Gruppen kreuz und quer über das Gelände, viele haben ein Fahrrad dabei. Jetzt ist große Pause, danach geht es gleich weiter; von der ersten bis zur sechsten Stunde dauert der Verkehrssicherheitstag.

Für Michele von der Ratgeb-Realschule war bisher der Fahrradparcours die beste Station: Hier können die Jugendlichen ihr Geschick im Slalom, auf der Wippe und an anderen Hindernissen beweisen. Gerade kommt er vom Fahrrad-Check, den der Radhof Schill anbietet: Fast alles war tadellos, meint er, nur ein bisschen mehr Luft muss in die Reifen. Andreas Schill bietet an der Station eine schnelle Überprüfung an. „Kleine Reparaturen können wir hier auch machen", so Schill. Sinn und Zweck der Station seien aber, den Schülern zu vermitteln, welche Bedingungen ihr Rad grundsätzlich erfüllen muss, um verkehrstauglich zu sein. Laut Schill gab es dieses Jahr aber zum Glück noch „keine Totalausfälle".

„Wenn vier Tonnen Bus auf diesem Schuh stehen kann den da keiner mehr rausziehen" Ulrich Bachmannn

Neben dem Radhof Schill unterstützen weitere Partner die inzwischen etablierte Veranstaltung. Die Herrenberger Fahrschule Halanke beispielsweise hat zwei große Lastwagen mitgebracht. Hier darf jeder Schüler einmal in der Fahrerkabine Platz nehmen und erfahren, wie groß die toten Winkel eines Lkw-Fahrers sind. Beeindruckend auch die Station der Busunternehmen Däuble und VBN/BVN: „Wem vier Tonnen Bus auf diesem Schuh stehen kann den da keiner mehr rausziehen" wettet Busfahrer Ulrich Bachmann mi den Schülern.

Eine besondere Attraktion ist das Polizeiauto mit seiner Sirene. Hanspeter Mosberger vom Polizeipräsidium Ludwigsburg trainiert eigentlich Polizisten für Einsätze und leitet Fahrsicherheitstrainings. Heute demonstriert er den Achtklässlern, wie lang der Anhalteweg von Auto, Fahrrad um Co. ist und was das bei einem Unfall bedeuten kann. Auch Skateboarder, ein Inlinefahrer und eine Waveboarderin sind zur Demonstration mit am Start; damit reagieren die Organisatoren auf moderne Arten, den Schulweg zu bewältigen.

Ein bedenklicher Trend sei jedoch „der Helm an der Lenkstange" anstatt auf dem Kopf, den man besonders bei den 13- und 14-Jährigen beobachten kann. Laut Lutz Rasemann, dem Verkehrsbeauftragten des AGH, beträgt die „Helmquote" in dieser Altersgruppe nur „etwa 60 Prozent", was im Vergleich zum Durchschnitt aller Altersgruppen eher gering sei.

Matthias Schelling, Lehrer am AGH, betreut zusammen mit Kollege und Rennradfahrer Jan Bauer eine Station mit verschiedenen Übungen auf dem Fahrrad. Es gehe darum, so Schelling, ein besseres Gefühl für das Gefährt zu entwickeln und seine Grenzen spielerisch auszutesten. „Sven, versuch doch mal, den Körper zur Seite zu lehnen, neben den Lenker, genau!", ruft Lehrer Schelling, und die Klassenkameraden rufen dem Jungen weitere Tipps zu. Und tatsächlich, nachdem Sven auch noch die Lampe von seinem Lenker abmontiert hat, gelingt es ihm, unter dem Band hindurchzufahren. „Fahrrad-Limbo" ist nur eine der Übungen, und sie kommt bei den Schülern sichtlich gut an. Auch beim Gruppenfahrtraining nebenan wird gekichert, als ein Schüler die erhobene Hand des Vordermanns nicht bemerkt, und es einen „Auffahrunfall" gibt - zum Glück war das erst die Trainingsrunde zu Fuß.

An den Markweg-Schulen engagieren sich auch die Schüler für mehr Sicherheit im Straßenverkehr: Katharina Baitinger, Schülerin der Jerg-Ratgeb-Realschule, hat die Aufsicht über eine eigene Station. „Das Thema hat mich sehr interessiert, und ich wollte mich noch mehr engagieren", erklärt sie. Darum hat sie vergangenes Jahr in Ludwigsburg an einer landesweiten Ausbildung teilgenommen und nennt sich inzwischen Verkehrsmentorin.

Nach zehn Jahren Verkehrssicherheitstag kann auch Richard Wißmann, Konrektor der Vogt-Heß-Schule und Mitinitiator der Veranstaltung, mit einer überaus positiven Bilanz abschließen: Während seiner gesamten Zeit an der Schule habe es „keinen einzigen Rad- oder Fußgängerunfall auf dem Schulgelände" gegeben.

 

(Artikel erschienen am 15.05.2014 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

Beiträge über Verkehrserziehung