Verkehrssicherheitstag 2011

Falsches Blut und gutes Benehmen
 
 
Herrenberg: 350 Achtklässler lernen das richtige Verhalten im Straßenverkehr
 
von Dagmar Stepper, Gäubote Herrenberg, 03.06.2011
 
betreuender Lehrer: Hermann Rösch

Warum darf man sein Mofa nicht frisieren? Wie weit ist der Bremsweg mit dem Kickboard? Die rund 350 Achtklässler der Markwegschulen können nun eine Antwort darauf geben, denn beim siebten Verkehrssicherheitstag lernten sie in Theorie und Praxis den Verkehrsalltag genauer kennen.

„Junge Menschen passen im Straßenverkehr nicht immer so auf", sagte die Schulleiterin des Andreae-Gymnasiums, Angela Schulz. Und aus diesem Grund gibt es auf Anregung des Kultusministeriums einen Verkehrssicherheitstag für die achten Klassen. Der wird im Markweg schulübergreifend organisiert und so nahmen zwölf achte Klassen aller drei Schulen daran teil. Neben der allgemeinen Verkehrserziehung wurde der Fokus auch auf das Fahrrad gerichtet.    Denn viele der Schüler der Markweg-schulen kommen
mit dem Rad zur Schule. Der Wunsch aller Schulleiter sei, dass „alle Schüler gesund ankommen und auch wieder gesund nach Hause zurückkehren", betonte Schulz gemeinsam mit ihren Kollegen.

An sechs verschiedenen Orten wurden den zwölf achten Klassen den ganzen Mittwochvormittag über alles Wichtige zum Thema Verkehr und Mobilität vermittelt - vom Fahrradwerkstatt-Service bis zum Verkehrsstrafrecht für Jugendliche. „Wie schnell fährt denn dein Mofa?", fragte Werner Kömpf, Richter am Böblinger Amtsgericht, einen Achtklässler. „Nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde", lautete die Antwort. Gut so, denn wenn ein Mofa frisiert ist und deutlich schneller fährt, ist das eine Straftat, klärte Kömpf die Jugendlichen auf - der Vorwurf laute „Fahren ohne die entsprechende Fahrerlaubnis". Auch nicht jeder dürfte gewusst haben, dass man Schürfwunden besser nicht auswäscht, da sonst Keime in die Wunde geraten könnten. Bei der Station Erste Hilfe warteten „Verkehrsopfer" auf die Versorgung nach einem Unfall -aus fingierten Wunden floss reichlich falsches Blut. „Immer zuerst den Notarzt rufen", wurde den Achtklässlern eingeschärft, bevor man selbst in das Geschehen eingreife. Viel Spaß hatten die Schüler bei der „Rauschbrillen"-Station. Verschiedene Brillen simulierten unterschiedliche Rauschzustände, von Alkohol bis zu Ecstasy-Pillen. Dass man mit einem Vollrausch kaum die Autotür öffnen oder einen Ball fangen kann, wurde demjenigen, der die Brille aufsetzte, schnell bewusst. Die anderen Mitschüler fanden die Situation meist recht komisch. „Wir wollen bei den Achtklässlern ein Verständnis dafür wecken, nicht nur für jetzt, sondern auch für später, wenn sie selbst mit dem Moped oder Auto unterwegs sind", erklärte Hermann Rösch, der bei der Jerg-Ratgeb-Realschule Verkehrsbeauftragter ist.

Außerdem hätte man beim diesjährigen Verkehrssicherheitstag neue Entwicklungen mit einbezogen, sagte sein Pendant vom Andreae-Gymnasium, Lutz Rase-mann. Denn immer mehr jüngere Schüler kommen mit dem Kickboard zur Schule. Bei diesen Fortbewegungsmitteln ist der Bremsweg wesentlich länger als beispielsweise mit dem Rad. Anschaulich vor Augen geführt wurde das bei einer Station, bei der die Fahrschule HalankeFrank zeigte, wie lang der Bremsweg mit dem Auto, dem Fahrrad, dem Kickboard und Inlinern ist. Und sie schärften den Jugendlichen auch ein, dass in einer 30er-Zone auch nur 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden sollte.

Recht abwechslungsreich gestaltete sich so die Verkehrserziehung für die Schüler, die an den verschiedenen Stationen nicht nur von den Spezialisten betreut wurden, sondern auch von Lehrern, Eltern und älteren Schülern. Das Verhalten im und am Schulbus wurde mit den Busunternehmen Rübenacker und Däuble durchgespielt und neben der Sicherheit auch auf das richtige Benehmen hingewiesen. „Nehmt Rücksicht auf ältere Menschen", mahnte einer der Busfahrer. Bei einer anderen Station konnten die Jugendlichen ihr eigenes Fahrrad vom Radhändler „Radhof" durch checken lassen und bekamen gleich Tipps, wie das Rad verkehrssicher wird. Eigentlich sollten zum Verkehrssicherheitstag alle Achtklässler mit dem Rad zur Schule kommen, doch das Wetter hielt die große Mehrheit davon ab. Durch den Regen musste auch das Programm umgestaltet werden: Der geplante Radparcours fiel sprichwörtlich ins Wasser. Doch trotz des Wetters werteten alle Beteiligten den Tag als Erfolg. „Irgendetwas bleibt von den Verkehrssicherheitstagen immer hängen", weiß Hermann Rösch aus den vergangenen Jahren.

(Artikel erschienen am 03.06.2011 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

 

 

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