Schulbusaktion 2008

 

Training im Bildungszentrum Markweg: Fünftklässler lernen vernünftiges Verhalten

 

Regeln für die Schulbusfahrt
 
von Michael Mangold, Gäubote Herrenberg, 17.09.2008
 
betreuender Lehrer: Hermann Rösch

Grundlagentraining für die Jüngsten ist bei den Schulen im Markweg angesagt: Referenten des Bildungswerks der Omnibusun­ternehmer Böblingen zeigen allen fünften Klassen in dieser Woche mit Spielen und Experimenten, wie si­cheres und vernünftiges Verhalten bei der Fahrt mit dem Schulbus aus­zusehen hat. Erst dann könnten Sie in ei­nigen Jahren zu „Schulbusbeglei­tern" ausgebildet werden, wie es der­zeit im Schulzentrum im Längenholz geschieht.
 

GB-Foto: gb
Busfahren will gelernt sein — gerade auch bei Fünftklässlern

„Das Gedränge an den Bushaltestellen und im Bus ist in letzter Zeit immer schlimmer geworden. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass gegen die Gefahren hierbei etwas getan werden muss", sagt Hermann Rösch, der Verkehrssicherheits­beauftragte der Jerg-Ratgeb-Realschule. Zusammen mit seinen Kollegen Richard Wissmann von der Vogt-Heß-Schule und Lutz Rasemann vom Andreae-Gymnasium sowie dem Verkehrsausschuss aller drei Schulen organisiert er seit drei Jahren die Grundkurse für die Fünftklässler. Von klein auf sollen die Kinder lernen, wie sie sich zu verhalten haben, um Chaos zu ver­meiden, und die Sicherheit im Schulbus erheblich zu erhöhen. In der achten Klasse erfolgt dann eine Vertiefung. „Wer möchte, kann sich danach zusätzlich zum Schul­busbegleiter ausbilden lassen, um ein Auge darauf zu haben, dass die Kinder auch um­setzen, was sie in Kursen wie dem heutigen lernen", erklärt Rösch. Jenes Seminar wird im Schulzentrum im Markweg kommen­den Oktober/November stattfinden. Just in dieser Woche wird es an den Längenholz-Schulen durchgeführt. 

Die Idee, Fünftklässler über das richtige Verhalten an der Bushaltestelle und im Schulbus zu unterrichten, fände derzeit im ganzen „Ländle" großen Anklang, erzählt Referentin Claudia Wiest vom Bildungs­werk der Omnibusunternehmer Böblingen. „Gerade zum Schulbeginn sind unsere Leute überall unterwegs." Wiest trifft bei den Jungen und Mädchen den richtigen Nerv: Im lockeren Plauderton, mit Experi­menten und Spielen weckt sie das Interes­se der Kinder, die mit Feuereifer dabei sind. 

In einem Theorieteil spricht Wiest die wichtigsten Punkte an und lässt die Kin­der von ihren eigenen Erfahrungen berich­ten. Geschichten machen die Runde: von entnervten Busfahrern, die sich weigern die lärmende Meute weiter zu fahren, vom Sitzen auf ausgespuckten Kaugummis und von drängelnden „Großen" - die Pauschal­bezeichnung der Jüngsten für alle Mit­schüler von der Mittelstufe aufwärts. „Ziel ist es hier, das Verständnis für die Proble­matik zu wecken", erklärt Claudia Wiest. „Die Kinder sollen begreifen: Auch ihr seid Teil des Problems, aber ihr könnt et­was dagegen tun." 

Vandalismus ist ein nicht zu unterschät­zender Punkt. Ob Kaugummis, Zündeln, oder eingeritzte Sitzpolster: Jährlich be­laufen sich die Schäden an den 50 Bussen des Busunternehmens, für das Claudia Wiest arbeitet, auf 25 000 Euro, berichtet sie. Besonders skurril und auch gefährlich: „Die Nothammer, um die Scheiben zu den Notausgängen einzuschlagen, werden be­sonders gerne mitgenommen. Uns fehlen jedes Jahr 20. Im Brandfall ist das natür­lich lebensgefährlich." 

Im Praxisteil geht's ans Eingemachte: Ein Wettrennen in den Bus steht als erstes auf dem Programm - einmal im chaoti­schen Sturm auf die Flügeltüren, einmal schön brav in Zweierreihen. Die Kinder merken rasch, dass letztere die schnellere Methode ist. Im fahrenden Bus zeigt Wiest den Fünftklässlern, wo sich Notausgänge, Feuerlöscher und Nothammer befinden und wie diese zu benutzen sind. Ein Satz Hütchen muss das Zeitliche segnen, um den richtigen Sicherheitsabstand an der Bushaltestelle zu demonstrieren. 

Bei nur 28 km/h legt der Busfahrer eine Vollbremsung ein. Staunend beobachten die Kinder, wie sich ein sorglos im Gang abgestellter Schulranzen in ein Geschoss verwandelt und bis ganz nach vorn, zum Fahrer katapultiert wird. Sicherer Halt ist bei einer Vollbremsung von besondrer Be­deutung, und so bringt Wiest den Kindern bei, den richtigen Stand und das richtige Festhalten bei, um im überfüllten Bus auf jede Überraschung aus dem Nichts gefasst zu sein. Von Anfang an sei das Fünftkläss­ler-Busprojekt ein gemeinsames Unterneh­men des gesamten Schulzentrums gewesen, lobt Andrea Fabisch-Wörner, Eltern­beirätin an der Jerg-Ratgeb-Schule. Die Referenten werden vom Förderverein der drei Schulen bezahlt. Trainingsbusse und Fahrer indes werden von den Firmen Däu­ble und Nagoldtalreisen bereitgestellt.
 
(Artikel erschienen am 17.09.2008 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de)

Der Förderverein unterstützt diese Aktion mit einem Förderzuschuß.

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