Schulbusaktion 2007

Aktion „Mein Bus ist sicher" in der Herrenberger Jerg-Ratgeb-Schule: Fünftklässier bekommen besonderen Unterricht


von Rebecca Haar, Gäubote Herrenberg, Okt.2007

betreuender Lehrer: Hermann Rösch


Die drei Schulen im Herrenberger Markweg legen viel Wert auf die Sicherheit ihrer Schüler. Aus diesem Grund kam am gestrigen Freitag Thomas Fritz in die Jerg-Ratgeb-Realschule. Der Polizeihauptkommissar unterstützt die Schulbusaktion „Mein Bus ist sicher", um die neuen Fünftklässler an einen sicheren Umgang mit dem Straßenverkehr heranzuführen.


GB-Foto: Holom
Die Melone ist bald platt: Thomas Fritz weist auf die Gefahren im Straßenverkehr hin.

Mit dem Tageslichtprojektor wird eine Karikatur an die Wand des Klassenzimmers der 5c gestrahlt: Ein Busfahrer, Schüler mit Heiligenschein. „Lauter kleine Engel?" ist die Überschrift. Immer mehr Schüler kommen nach der Pause ins Klassenzimmer. Simone Helfrich, die Klassenlehrerin und Hermann Rösch, ebenfalls Lehrer, gehen ins Klassenzimmer. Thomas, Fritz folgt ihnen: „Ihr macht ja meinen Bus kaputt!", sagt der 49-Jährige lachend. Er kommt über den Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) an die Schulen und macht die Schüler fit für den Straßenverkehr.

Inzwischen haben sich die Schüler aus dem „Bus", bestehend aus mehreren Stühlen, weggesetzt. „Große Augen? Was kommt auf euch zu?", fragt Fritz. Gespannte Stille unter den Schülern. „Mein Schulbus ist sicher' ist unser Thema heute", erklärt er den Kindern. Fast alle kommen mit dem Bus zur Schule, manche mit dem Zug. Für die meisten ist das tägliche Busfahren noch ein neues Gebiet. Erst seit zwei Wochen fahren die meisten von ihnen regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit Nora Johnson will Fritz gemeinsam über die erdachte Straße im Klassenzimmer gehen. Das Mädchen weiß Bescheid: Erst nach links, dann nach rechts schauen. Die nächste Aufgabe ist schon kniffliger: Was machen, wenn 50 Meter entfernt von der Haltestelle ein Zebrastreifen ist und der Bus gerade abfahren will? „Ihr müsst über den Zebrastreifen gehen. Lieber verpasst ihr einmal den Bus, als dass euch etwas passiert", erklärt Fritz nachdrücklich. Damit sich das nicht wiederholt, sollen die Schüler sich am nächsten Tag lieber früher auf den Weg machen.

Als Nächstes stellen sich zehn Jungen dicht gedrängt zusammen. Starr schauen sie aus dem Fenster hinaus. Der 49-Jährige nimmt leise Lisa Meixner an der Hand, flüstert ihr etwas zu. -Sie lächelt und rennt von hinten auf die Menge zu. Die Jungen haben sie nicht kommen sehen. Alle machen einen Schritt nach vorn. „Das war Superwoman", sagt Fritz : scherzend und die Jungen sind überrascht. Dass ein Mädchen sie so überraschen könnte, hätten sie nicht gedacht.

Thomas Fritz' Methoden sind durchdacht. Er hat eine pädagogische Schulung gemacht, schöpft aber auch aus seiner Erfahrung mit den eigenen beiden Kindern. Lebendig bringt er den Schülern näher, auf was sie im Straßen- und Busverkehr achten müssen. Mit den Übungen macht er den Kindern deutlich, wie schnell es passieren kann, dass jemand unbeabsichtigt auf der Straße steht. Und das, ohne sich vorher umgesehen zu haben. „Das ist 'Learning by doing'", erklärt er in der kurzen Pause zwischen dem Theorie- und Praxisteil sein Konzept. Die Aktion werde seit fünf Jahren in Baden-Württemberg angeboten und erfreue sich reger Nachfrage.

Angela Schulz, Leiterin des Andreae-Gymnasiums, führt weiter aus: „Alle drei Markwegschulen sind am Programm beteiligt." Die Verkehrssicherheitsbeauftragten, Lutz Rasemann, Richard Wißmann und Hermann Rösch arbeiten schulübergreifend. Dirk Hasenbusch, Rektor der Realschule, ist stolz auf die Aktion, die vom Förderverein finanziert wird. „Circa 30 000 Euro stehen uns durch diesen Verein im Jahr zur Verfügung, die wir für solche Aktionen und Projekte verwenden."

Für den praktischen Teil der Aktion gehen die Schüler gemeinsam mit Fritz zu einem bereitstehenden Bus. Vorbildlich steigen die Kinder ein. Nachdem der 49-Jährige die Notausstiege erklärt hat, fährt der Bus los. Eine Vollbremsung soll vorgemacht werden. Der Bus ist klein und manche Kinder stehen in der Mitte. Plötzlich kracht es. Die Schüler klammern sich an ihren Sitzen fest. Die stehenden brauchen mehr Kraft, um sich festhalten zu können. „Das waren jetzt nur 20 Kilometer pro Stunde", macht Fritz den Kindern deutlich. Erstaunen. Auch mit sieben Kilometern pro Stunde ist die Beschleunigung, wenn der Bus' bremst, noch überraschend stark.

Zurück an der Schule zeigt er den Jungen und Mädchen, was passiert, wenn etwas unter dein Bus liegt. Er nimmt eine Wassermelone und legt sie unter das Hinterrad. Zwei Mädchen sollen im Bus genau über der Achse sitzen. Die restliche Klasse soll den Bus und die Melone beobachten. Restlos plattgefahren wird sie und die Kinder im Bus sind erstaunt: Nicht mal gewackelt hat es dort, als der Bus über die Melone gefahren ist.


(Artikel erschienen im Okt.2007 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de)

Der Förderverein unterstützt diese Aktion mit einem Förderzuschuß.

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