Schulbusaktion 2010

Wenn der Ranzen nach vorne fliegt …
 
Ratgeb-Schüler absolvieren Sicherheitstraining im Bus
 
- gti - Gäubote Herrenberg 22.09.2010
 
betreuender Lehrer: Hermann Rösch
 
„Richtiges Verhalten im Bus und an der Haltestelle, lautet das Sicherheitstraining, das Claudia Wiest in der Jerg-Ratgeb-Realschule vorstellt. Alle Fünftklässler nehmen daran teil, die passend zum Schulanfang theoretische wie praktische Tipps bekommen.


„Was sagt euer Vater, wenn ihr zusammen in den Urlaub fahrt und laut auf der hinteren Sitzbank herumtobt?", fragt die Schulungsexpertin des VBO, des Verbands baden-württembergischer Omnibus-Unternehmer. Selbst gibt sie sich die Antwort: „Ruhe jetzt." Den Alltag der Elf- bis Zwölfjährigen greift sie auf und richtet eine weitere Frage in die Runde: „Befolgt ihr das Verbot?" Wie ihm Chor antworten die Schüler der Klasse 5e: „Ja." Das, meint Wiest, würde sich auch der Schulbusfahrer wünschen. Denn ihm gehe es wie dem Vater, nur dass er viel mehr Kinder transportiere und der Krach deutlich lauter sei. Auch seien seine Bedingungen andere: Rufen, so dass es selbst Schüler in den hintersten Reihen hören, könne er nicht. Anhalten und Kinder bitten, leise zu sein, könne er auch nicht: Der Fahrer müsse ja einen Zeitplan einhalten. „Wie könntet ihr diesem Busfahrer helfen?", will Wiest wissen. Finger schnellen in die Höhe. „Etwas leiser sein", ist eine Antwort, „die Handy-Musik ausschalten" und „im Bus nicht herumtoben" weitere. Selbst entdecken die Schüler, Schülerinnen, wie sie sich im Bus richtig verhalten können.

Drängeln sowie Unpünktlichkeit an der Haltestelle oder fehlende Fahrkarten sind zusätzliche Aspekte, die Wiest anspricht. Immer baut sie dabei lebensnahe Beispiele ein, fragt nach den Erfahrungen, die die Schüler gemacht haben. Lebendig gestaltet sie den Theorieteil, der eine Dreiviertelstunde dauert. So spricht Wiest zudem über Ranzen und Taschen, die man nicht in den Mittelgang des Busses stellen sollte, weil sie eine Stolpergefahr sind. Besser seien sie auf dem Schoss oder zwischen den Beinen aufgehoben.

Großes Erstaunen löst die Sicherheitsexpertin damit aus, dass ein Bus zwischen acht und zehn Tonnen wiege. Wegen dieses schweren Gewichts brauche er lange, bis er beim Bremsen zum Stehen komme. „Wann könnte das gefährlich werden?", möchte sie von den Schülern erfahren. „Wenn plötzlich etwas auf der Straße auftaucht, etwa ein Tier", meint eine Schülerin. „Dann muss der Fahrer eine Vollbremsung hinlegen. Das habe ich selbst schon erlebt und mir voll den Kopf geprellt", berichtet ein anderes Mädchen. Nun muss Wiest nur noch erwähnen, dass ein Sitzplatz der sicherste Ort im Bus ist und man sich beim Stehplatz gut festhalten solle.

Dann kommt die Praxis. Die Busunternehmen Däuble und Rübenacker stellen dafür ihre Fahrzeuge zur Verfügung. Spannend gestaltet Wiest auch diesen Teil. Wie der Notausstieg sowie der Nothahn, der zum Öffnen der Tür gebraucht wird, funktioniert, oder was ein toter Winkel ist, demonstriert sie. Auch wann der Nothammer hilfreich ist, berichtet Wiest, deshalb ist sie wenig begeistert, dass „30 Stück pro Jahr geklaut werden". Besondere Aufmerksamkeit löst jedoch das „Einklemm-Spiel" aus. Am liebsten würden alle ausprobieren, was passiert, wenn der Arm, das Bein oder auch der ganze Körper von den Bustüren umschlossen werden. Vier Schüler wählt Wiest aus - es geschieht nichts. „Die Gummilippen haben Sensoren, durch die sichergestellt ist, dass ein Spielraum bleibt", erklärt sie. Zwei Vollbremsungen beenden das Training. Mit welchem Tempo da Ranzen nach vorne fliegen, macht auf anschaulichste Weise klar, welche Gefahr diese Bremsung für die Mitreisenden bedeutet. Beeindruckte Schüler-Gesichter beweisen, dass hier nicht mehr viele Erklärungen notwendig sind.

„Jetzt passe ich während des Busfahrens und an der Haltestelle besser auf mich auf", ist, was der Schüler Daniel Pfleiderer aus diesem Training gelernt hat. „Ich werde beim Einsteigen nicht mehr so drängeln", nimmt Schülerin Sonja Schick sich nach eineinhalb Stunden Kurs vor. „Nun weiß ich, was ich im Notfall machen muss", meint Kaohmi Kraus
erleichtert.

Weil sich eine Schülerin während eines solchen Trainings schwer verletzte, wurden die Sicherheitsregeln im Sommer verschärft. Nun darf die Notbremsung maximal 25 Stundenkilometer betragen. „In der Regel fahren wir deutlich langsamer", ergänzt Wiest. Eine werde im Schritttempo vorgeführt, die andere bei etwa 15 Stundenkilometer.
Neben der Jerg-Ratgeb-Realschule wird Wiest das Sicherheitstraining auch in der Vogt-Heß-Schule und dem Andreae-Gymnasium vorstellen.
- gti -

(Artikel erschienen am 22.09.2010 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).

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