Das persönliche Gespräch ist sehr wichtig
 
 
Beim 14. Berufsinfomarkt lernen Schüler ihren möglichen neuen Beruf kennen
 
von David Nau, Gäubote Herrenberg, 04.04.2011
 

Künftige Auszubildende in direktem Kontakt mit den Ausbildern: Mehr als 1000 Menschen besuchten am Samstag zeitweise die Herrenberger Jerg-Ratgeb-Realschule und den dortigen Berufsinfomarkt. Bereits zum 14. Mal hatten dort Schüler die Möglichkeit, sich über ihren weiteren Berufs- und Ausbildungsweg zu informieren..

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GB-Foto: Holom
Die Schüler erhielten auch Informationen über technische Berufe


Trotz der sommerlichen Temperaturen strömten die Besucher zu den Ständen der 54 Aussteller, die in der ganzen Schule verteilt waren. So auch zum Stand der Nufringer Firma Ensinger. „Ich bin sehr erfreut über die Qualität der Gespräche, die wir hier mit den Schülern führen können“, berichtete Miriam Fiedler, Ausbildungsleiterin des Unternehmens. Die Resonanz sei sehr zufriedenstellend und die Rückfragen der Schüler und auch der Eltern seien sehr gut vorbereitet. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass der Berufsinfomarkt an der Herrenberger Jerg-Ratgeb-Realschule wichtig für die Besetzung von Azubi-Stellen sei. „Das persönliche Gespräch ist uns immer am wichtigsten“, erklärte Fiedler. Gerade weil die Produkte des Unternehmens nicht ins Auge stechen würden, sei ein klärendes Gespräch umso wichtiger.


Auch Frank Urbanek, Chef der Elektroausbildung des Böblinger Anlagenbauers Eisenmann, bewertet den Berufsinfomarkt als einen der wichtigsten Orte für die Requirierung von Auszubildenden. „Unser Unternehmen war hier von Anfang an dabei und kommt auch immer noch gerne zurück nach Herrenberg“, erzählte Urbanek. Für die Schüler biete ein solcher „Markt der Möglichkeiten“ die Chance, sich praxisnah über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren. Doch auch für die Betriebe sei es sehr wichtig, den Nachwuchs für die eigene Idee zu begeistern. „Wir haben zwar in den letzten Jahren immer einen Überschuss an Bewerbern gehabt, doch die Tendenz ist klar rückläufig“, bilanzierte Urbanek.

Neben privatwirtschaftlichen Betrieben suchen auch staatliche Stellen nach Nachwuchs. So auch die Bundeswehr. Doch für Franz Wolf, Stabsfeldwebel im Bereich Organisation, ist es besonders wichtig, mit bestehenden Vorurteilen aufzuräumen. „Manche Jugendliche sind von Computerspielen oder Ähnlichem so auf die Waffe fixiert, dass man ihnen erklären muss, dass es bei uns nicht nur um Kampf geht“, berichtet Wolf. Es gehe auch darum, die besonderen Vorteile im zivilen Bereich der Bundeswehr hervorzuheben. „Die Bundeswehr hat eine eigene Universität und bietet Berufsabschlüsse in vielen Bereichen an“, erklärt der Stabsfeldwebel. Doch man wolle auch nichts beschönigen. Im Rahmen der Bündnisverpflichtungen der Bundeswehr könne es immer wieder zu Auslandseinsätzen kommen, an denen auch junge Berufs und Zeitsoldaten teilnehmen. Ein aktuelles Thema ist auch die Abschaffung der Wehrpflicht. „Momentan herrscht eine gewisse Verunsicherung bei den Jugendlichen, die sich für eine Karriere bei uns interessieren“, meinte Wolf. Die Jugendlichen seien sich nicht mehr sicher, ob die Truppe überhaupt Nachwuchs brauche, wenn jetzt selbst die Wehrpflicht abgeschafft wurde. „Dem ist in keinem Falle so! Gute Zeit- und Berufssoldaten können wir immer gebrauchen“, ermutigte Franz Wolf.

Dirk Hasenbusch, Rektor der Jerg-Ratgeb-Realschule, zeigte sich sehr zufrieden mit dem diesjährigen Infomarkt. „Es brummt heute, und wir werden wieder einmal eindrucksvoll in unserem Tun bestätigt“, sagt der Schulleiter. Die Idee des Berufsinfomarktes habe sich noch lange nicht überholt, da die Zielgruppe der 15- bis 16-Jährigen jedes Jahr eine neue sei. „Ich denke, wir bieten hier den Schülern, die vor einer Entscheidung für den einen oder den anderen Weg stehen, eine wichtige Stütze für ihre Wahl“, erläuterte Hasenbusch. Die Informationen führten auch in vielen Fällen zu einem schulischen Ansporn. „Wenn ein Schüler beim Berufsinfomarkt eine Ausbildung findet, die perfekt zu ihm passt, und er erfährt, welche Noten er für diese Stelle mitbringen muss, führt dies zu einer großen Motivation dieses Schülers“, so der Schulleiter. Plötzlich sehe man einige Schüler eifrig Mathe pauken. Für bedeutsam erachtet er auch den Termin des Berufsinfomarktes an einem Samstag. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Schüler viel zielgerichteter suchen, wenn Mama und Papa dabei sind.“ Und auch für die Firmen sei es sehr interessant, auch gleich die Eltern kennenzulernen. „Wenn sie mit den Eltern sprechen können, haben die Ausbildungsleiter auch eine bessere Möglichkeit, das Kind einzuschätzen", so Dirk Hasenbusch.

(Artikel erschienen am 04.04.2011 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).